Pastor Mühlenberg verschwieg Maria diese Nachricht, denn er wollte die Traurige nicht noch trauriger machen und tröstete sie täglich damit, daß Theodor aller Wahrscheinlichkeit nach noch in der Gefangenschaft sei.

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Es waren Jahre verflossen, die Amerikaner siegten über ihre Unterdrücker, Frieden wurde geschlossen, das Land war frei. Da kehrten die Sieger in ihre Heimath zurück, darunter auch Friedrich Leinbach. Er kam von Yorktown, wo er ehrenvoll von der Armee entlassen worden war und nahm seinen Weg nach Philadelphia, wo er hoffte von dem Pfarrer oder Maria etwas von Theodor zu erfahren, aber leider konnte man ihm nicht das Geringste über den Vermißten mittheilen. Obschon Mühlenberg sich eine Liste der gefangenen und gestorbenen Vaterlands-Vertheidiger zu verschaffen gewußt hatte, so fand er Theodor Benz Namen jedoch nur in der Rollenliste als Sergeant in Capitän Hister’s Compagnie verzeichnet. Noch sprach Friedrich mit dem Pfarrer, als Maria eintrat, um ihn zu begrüßen, aber ganz erschüttert und sprachlos stand der junge Krieger, als er Maria’s traurige Gestalt auf sich zukommen sah, um ihm Hand und Gruß zu bieten; wo war das blühende, freundliche Gesicht, wo waren die schönen Züge, die kräftige Gestalt des Mädchens. Mit tiefer Rührung bat er Maria, daß sie doch mit ihm, ihrer Gesundheit halber, in die gesunde Gegend seines Vaters Farm ziehen möge, sie würde sich dort gewiß recht bald erholen, und wenn Theodor noch unter den Lebendigen sei, er gewiß nach seines Vaters Hause kommen würde, aber Maria dankte, und bemerkte dabei, daß sie hier auf ihrem Posten bleiben müsse, denn Frau Mühlenberg sei schwer erkrankt und sie müsse der guten Frau treue Pflegerin bleiben.

Neuntes Kapitel.

Die Einsiedlerin.


Wer nur den lieben Gott läßt walten,

Und hoffet auf ihn alle Zeit,

Den wird er wunderlich erhalten

In aller Noth und Traurigkeit.