Bald wurde das Anerbieten der Maria in der ganzen Umgegend bekannt und fanden sich auch sofort Hülfesuchende in ihrem Hüttchen ein, denen sie mit Rath und That, großem Eifer und Gewissenhaftigkeit stets zu helfen suchte. Die Kräuter und gute Pflege, die sie den Kranken widmete, hatten meistens die beste Wirkung und wo diese nicht mehr helfen konnten, saß sie außerdem gar manche Nacht an dem Bette der Kranken und Sterbenden Trost zusprechend. Von allen Seiten her kamen ihr die herzlichsten Grüße zu, überall wo sie hinkam, war sie zu Hause. Viele verehrten sie wie eine Heilige. Unter dem Namen:
Die Berg-Maria,
war sie weit und breit bekannt geworden, und manche Kranke kamen aus der Ferne, um Trost und Hülfe bei ihr zu suchen.
Trotzdem dieses Schaffen und Walten ihren Kummer bedeutend gestillt, so kam doch immer wieder neue Trauer und Wehmuth über die Arme, denn der Tod hatte ihre besten Freunde, Pfarrer Mühlenberg, Friedrich Leinbach und dessen braves Weib, schnell nach einander hingerafft und ruhten im Schooße der kühlen Erde. — Von Theodor hatte sie nie wieder etwas gehört.
So lebte Maria in ihrem Hüttchen bei Mott’s Mühle, Pike Township, Berks County, dreißig Jahre lang, bis sie im Jahre 1819 in hohem Alter das Ewige mit dem Zeitlichen segnete und von ihrem Jammer, Kummer und Sorgen befreit wurde. Die Nachricht von ihrem Hinscheiden versetzte die ganze Nachbarschaft in tiefe Trauer, und aus weiter Ferne kamen Männer und Frauen, um noch einmal das Antlitz derjenigen zu sehen, die der Menschheit so viel Gutes gethan. Das Leichenbegängniß war das größte, welches jemals in Pike Township stattgefunden. Kein Haus war in Oley und den angrenzenden Townships, das nicht seine Repräsentanten zu demselben gesandt, und weit her kamen Trauernde zu Wagen und zu Pferde, um der Maria die letzte Ehre zu erweisen.
Der Sarg war mit den schönsten Kränzen und Blumen geschmückt. Als Pfarrer Conrad Miller die Leichenrede hielt, blieb kein Auge thränenleer.
Die Grabstätte ist noch immer gut erhalten und wird heute noch, wie ein Bewohner von Pike Township dem Erzähler dieser Geschichte neulich versicherte, von vielen Verehrern der Verstorbenen besucht.
Ein Herr aus Oley Township, welcher die Schicksale der armen Maria kannte, schrieb bei ihrem Tode die folgende Grabschrift:[3]
Hier unter diesem Steine
Sanft ruhen die Gebeine