Narbonne. Nichts mehr davon, ich bitte Sie! (Zu Selicour.) Sie sehen, daß Sie hier überflüssig sind. (Selicour entfernt sich still.)
La Roche. Es thut mir leid um den armen Schelm—Wohl wußt' ich's vorher, mein Haß würde sich legen, sobald es mit seiner Herrlichkeit aus sein würde.
Firmin (drückt ihm leise die Hand). Lassen Sie's gut sein. Wir wollen ihn zu trösten suchen.
La Roche. Basta, ich bin dabei!
Narbonne (zu Karln). Unser lebhafter junger Freund ist auf einmal ganz stumm geworden—Ich habe in Ihrem Herzen gelesen—lieber Firmin! Der Ueberraschung danke ich Ihr Geheimniß und werde es nie vergessen, daß Ihre Neigung bei unserm Glücke bescheiden schwieg und nur laut wurde bei unserm Unglück.—Charlotte! (Sie wirft sich schweigend in ihres Vaters Arme.) Gut, wir verstehen uns! Erwarte alles von deines Vaters Liebe.
La Roche. Und ich will darauf schwören, Karl Firmin ist der wahre
Verfasser des Gedichts.
Mad. Belmont. Wär's möglich?
Charlotte (mit einem zärtlichen Blick auf ihn). Ich habe nie daran gezweifelt! (Karl küßt ihre Hand mit Feuer.)
Mad. Belmont. O der bescheidene junge Mann! Gewiß, er wird unser
Kind glücklich machen!
Narbonne. Bilden Sie sich nach Ihrem Vater—und mit Freuden werde ich Sie zum Sohn annehmen.—(Halb zu den Mitspielenden, halb zu den Zuschauern.) Diesmal hat das Verdienst den Sieg behalten.—Nicht immer ist es so. Das Gespinnst der Lüge umstrickt den Besten; der Redliche kann nicht durchdringen; die kriechende Mittelmäßigkeit kommt weiter, als das geflügelte Talent; der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der Bühne.