Firmin. Ich will keinen Andern aus seinem Platze verdrängen und bin gern da, wo ich stehe, in der Dunkelheit.

Karl. Sie sollten so hoch streben, als Sie reichen können.—Daß Sie unter dem vorigen Minister sich in der Entfernung hielten, machte Ihrer Denkungsart Ehre, und ich bewunderte Sie darum nur desto mehr. —Sie fühlten sich zu edel, um durch die Gunst erlangen zu wollen, was Ihrem Verdienst gebührte. Aber Narbonne, sagt man, ist ein vortrefflicher Mann, der das Verdienst aussucht, der das Gute will. Warum wollen Sie aus übertriebener Bescheidenheit auch jetzt noch der Unfähigkeit und Intrigue das Feld überlassen?

Firmin. Deine Leidenschaft verführt dich, Selicours Fehler und mein Verdienst zu übertreiben.—Sei es auch, daß Selicour für sein mittelmäßiges Talent zu hoch hinaus will, er ist redlich und meint es gut. Mag er seine Arbeit thun oder durch einen Andern thun lassen— wenn sie nur gethan wird!—Und gesetzt, er taugte weniger, tauge ich um derentwillen mehr? Wächst mir ein Verdienst zu aus seinem Unwerth? Ich habe mir bisher in meiner Verborgenheit ganz wohl gefallen und nach keinem höhern Ziel gestrebt. Soll ich in meinem Alter meine Gesinnung ändern? Mein Platz sei zu schlecht für mich! Immerhin! Weit besser, als wenn ich zu schlecht für meine Stelle wäre!

Karl. Und ich müßte also Charlotten entsagen!

Zweiter Auftritt.

La Roche. Beide Firmin.

Firmin. Kommt da nicht La Roche?

La Roche (niedergeschlagen). Er selbst.

Firmin. So schwermüthig? Was ist Ihnen begegnet?

La Roche. Sie gehen aufs Bureau! Wie glücklich sind Sie!—Ich— ich will den angenehmen Morgen genießen und auf dem Wall promenieren.