Selicour. Er ist ein Undankbarer! Nach allem, was ich für ihn gethan habe—Und es geschehe, sagte er, um Ihnen dadurch einen Dienst zu leisten.—Er diente Ihnen aber schlecht. Da er mir zu schaden suchte.—Was will ich denn anders, als Ihr Glück?—Aber ich weiß besser, als dieser Brauskopf, was Ihnen dient. Darum habe ich mir schon ein Plänchen mit Ihnen ausgedacht.—Das lärmende Treiben der Bureaux ist Ihnen verhaßt, das weiß ich; Sie lieben nicht, in der geräuschvollen Stadt zu leben.—Es soll für Sie gesorgt werden, Herr Firmin!—Sie suchen sich irgend ein einsames stilles Plätzchen aus, ziehen einen guten Gehalt, ich schicke Ihnen Arbeit hinaus, Sie mögen gern arbeiten, es soll Ihnen nicht daran fehlen.
Firmin. Aber wie—
Selicour. Das sind aber bloß noch Ideen, es hat noch Zeit bis dahin. —Glücklich, der auf der ländlichen Flur seine Tage lebt! Ach, Herr Firmin! So wohl wird es mir nicht! Ich bin in die Stadt gebannt, ein Lastthier der Verhältnisse, den Pfeilen der Bosheit preisgegeben. Auch hielt ich's für die Pflicht eines guten Verwandten, einen Vetter, der sich hier niederlassen wollte, über Hals und Kopf wieder aufs Land zurück zu schicken.—Der gute Vetter! Ich bezahlte ihm gern die Reisekosten—denn, sagen Sie selbst, ist's nicht unendlich besser, auf dem Land in der Dunkelheit frei zu leben, als hier in der Stadt sich zu placken und zu quälen?—
Firmin. Das ist meine Meinung auch.—Aber was wollten Sie eigentlich bei mir?
Selicour. Nun, wie ich sagte, vor allen Dingen mich von der Freundschaft meines lieben Mitbruders überzeugen—und alsdann—Sie haben mir so oft schon aus der Verlegenheit geholfen; ich verhehle es nicht, ich bin Ihnen so viel—so Vieles schuldig—mein Posten bringt mich um—mir liegt so Vieles auf dem Halse—wahrhaftig, es braucht meinen ganzen Kopf, um herum zu kommen—Sie sind zufrieden mit unserm Minister?
Firmin. Ich bewundere ihn.
Selicour. Ja, das nenn' ich einmal einen fähigen Chef! Und wahrlich, es war auch die höchste Noth, daß ein solcher an den Platz kam, wenn nicht alles zu Grunde gehen sollte.—Es ist noch nicht alles, wie es soll, sagte ich ihm heute—wollen Sie, daß alles seinen rechten Gang gehe, so müßten Sie ein Memoire einreichen, worin alles, was noch zu verbessern ist, mit der strengsten Wahrheit angezeigt wäre.—Diese meine Idee hat er mit Eifer ergriffen und will eine solche Schrift unverzüglich aufgesetzt haben.—Er trug sie mir auf—aber die unendlichen Geschäfte, die auf mir liegen—in der That, ich zittre, wenn ich an einen Zuwachs denke—
Firmin. Und da rechnen Sie denn auf mich—nicht wahr?
Selicour. Nun ja, ich will's gestehen!
Firmin. Sie konnten sich diesmal an keinen Bessern wenden!