Nach einigen Tagen segelte er mit seiner Gemahlin von Lesbos ab. Er hatte nach reiflicher Überlegung beschlossen sich in den Schutz des Königs Ptolemäos von Ägypten zu begeben. Denn er durfte mit vollem Recht auf die Dankbarkeit und das Wohlwollen desselben hoffen, weil er selbst einst dessen Vater wieder auf den Thron gesetzt hatte. Er segelte also nach Pelusion, einer Stadt an der östlichen Mündung des Nils. Als er nicht mehr weit vom Ufer entfernt war, ließ er den König von seiner Ankunft benachrichtigen und um Schutz und Zuflucht bitten. Ptolemäos, erst dreizehn Jahre alt und noch unfähig selbst zu regieren, ließ sich von Achillas, dem Obersten seines Heeres, von seinem Vormund Potheinos und seinem Lehrer, dem Rhetor Theódotos, leiten. Diese drei Männer berieten über die Bitte des Pompejus. Anfangs waren sie in ihren Meinungen geteilt, zuletzt sagte Theodotos: „Nehmen wir ihn auf, so werden wir ihn zum Herrn und den Cäsar zum Feinde haben; weisen wir ihn zurück, so werden wir ihn beleidigen, weil wir ihm die Aufnahme versagt haben, und Cäsar nicht gewinnen, weil wir jenen haben entwischen lassen. Der beste Rat ist daher den Pompejus kommen zu lassen und sogleich zu töten; so beweisen wir uns dem Cäsar gefällig und brauchen uns vor Pompejus nicht zu fürchten! denn“ — setzte er hohnlachend hinzu — „die Toten beißen nicht mehr.“
Der Vorschlag des Theodotos wurde genehmigt und Achillas zur Vollstreckung ausersehen. Dieser, ein Mann von außerordentlicher Verwegenheit, bestieg mit Septimius, einem geborenen Römer, der einst unter des Pompejus Fahnen gedient hatte, nebst drei bis vier Ägyptiern ein kleines Fahrzeug und fuhr auf das Schiff des Pompejus zu. Das schlechte Aussehen dieses Fahrzeuges und die geringen Anstalten, die man zum Empfange des Pompejus traf, machten seine Freunde unruhig. Sie fingen an Verdacht zu schöpfen und waren schon willens sich wieder zu entfernen, als Achillas an Bord kam und den Pompejus einlud in sein Fahrzeug zu steigen, dessen dürftiges Aussehen er damit entschuldigte, daß das Meer an dieser Küste zu flach sei, um es mit größeren und schwereren Schiffen zu befahren. Pompejus war nicht ohne Argwohn; denn schon sah er, daß an der Küste einige königliche Schiffe bemannt wurden. Allein, um die Ägyptier nicht durch Mißtrauen zu reizen, zeigte er sich sogleich bereit dem Achillas zu folgen. Er nahm daher gefaßten Mutes von seiner Gemahlin und seinem Sohne Abschied und stieg mit vier Personen seines Gefolges in das ägyptische Boot.
Schon waren sie eine beträchtliche Strecke weit gefahren, und noch immer herrschte düsteres Schweigen in dem Boote. Pompejus wurde unruhig und suchte seine Unruhe durch Sprechen zu unterdrücken. Er wandte sich daher zu Septimius und sagte: „Mich dünkt, mein Freund, ich kenne dich. Sind wir nicht einmal Kriegsgefährten gewesen?“ Septimius nickte nur mit dem Kopfe, ohne ein Wort zu sprechen, und es herrschte abermals die vorige Stille. Da nahm Pompejus seine Schreibtafel zur Hand, um die griechische Anrede zu lesen, die er darin aufgezeichnet und die er an den jungen König richten wollte. Cornelias Blicke begleiteten indes die Fahrt in angstvoller Spannung bis zum Lande, wo sich eben viele Hofleute wie zu feierlichem Empfange sammelten. Schon begann sie zu hoffen. Aber in dem Augenblick, als Pompejus den Arm seines Freigelassenen Philippus ergriff, um sich vom Sitze zu erheben, stieß ihm Septimius sein Schwert in den Rücken, und Achillas fiel ihn von vorn an. Pompejus sah, daß er seinem Tode nicht entrinnen konnte, und suchte nun wenigstens die würdevolle Haltung, die er im Leben stets gezeigt hatte, auch noch im Tode zu bewahren. Er zog seine Toga über das Haupt, sprach kein Wort, sondern stöhnte nur bei jedem weiteren Stoß, bis er tot am Ufer zusammenbrach. So starb der große Pompejus im 58sten Jahre seines Alters, am 28. September 48, am Tage vor seinem Geburtstage. Auf den Schiffen, welche ihn hergebracht hatten, erscholl lauter Jammerruf beim Anblick dieses schrecklichen Vorgangs, dann eilten sie ins offene Meer zurück, vergeblich verfolgt von den ägyptischen Kriegsgaleeren.
Die Mörder des Pompejus wüteten noch gegen den Leichnam. Sie schnitten ihm den Kopf ab und warfen den Rumpf nackt an das Ufer, wo er von einer Menge neugieriger Menschen begafft ward. Darauf erwies Philippus, der Freigelassene des Pompejus, seinem Herrn den letzten Dienst. Er wusch den verstümmelten Leichnam im Meere ab, wickelte ihn in eins seiner Gewänder und brachte dann einige Trümmer von einem alten Fischerkahn zusammen, um einen Scheiterhaufen zu errichten. Während er damit beschäftigt war, trat ein alter Römer, der einst unter Pompejus gedient hatte, mit den Worten zu ihm: „Wer bist du, der du den großen Pompejus zu bestatten suchst?“ — „Sein Freigelassener“, antwortete Philippus. — „Wenn du der bist“, erwiderte der Alte, „so teile die Ehre der Beerdigung mit mir, damit ich in dem Elend, das mich drückt, doch wenigstens das eine Glück genieße, den Leichnam des größten römischen Feldherrn mit meinen Händen zu begraben.“ Philippus willfahrte ihm, beide verbrannten den Leichnam, vergruben die Asche und setzten auf den Grabhügel eine Tafel mit der Inschrift: „Hier ruht Pompejus der Große!“
3. Cäsar in Afrika. Catos Tod.
Drei Tage nach des Pompejus Tode erschien Cäsar vor dem Hafen von Alexandria, der damaligen Hauptstadt Ägyptens. Alsbald kamen die Mörder in der Hoffnung auf eine Belohnung an Bord seines Schiffes und überreichten des Pompejus Haupt und Siegelring. Cäsar wandte sich mit Abscheu von dem Anblick des blutigen Hauptes, aber tränenden Auges empfing er den Siegelring des Mannes, der einst so groß und mächtig und durch Freundschaft und Verwandtschaft mit ihm verbunden gewesen.
Weit entfernt die Schandtat zu belohnen, bewies er sich milde und freundlich gegen die Anhänger des Pompejus, die man in Ägypten ergriffen hatte und in seine Gewalt lieferte. Denn Großmut und Nachsicht gegen besiegte Feinde bildeten den schönsten Zug seines Charakters. Er fand das ägyptische Volk gespalten und aufgeregt durch einen Zwist zwischen dem unmündigen König Ptolemäos und seiner älteren Schwester Kleópatra, die ihm den Thron streitig machte. Cäsar befahl beiden Teilen ihre Heere zu entlassen, und entschied dann zu gunsten der schönen Kleopatra, die ihn durch ihre verführerischen Reize geblendet hatte. Da brach plötzlich, durch die Ratgeber des Königs, Potheinos und Achillas, angestiftet, ein gewaltiger Aufstand in Alexandria aus, gegen den sich Cäsar mit den wenigen Truppen, die er mitgebracht, kaum zu behaupten vermochte. Er zog sich vor der Übermacht in das Brucheion, den schönsten und festesten Teil der Stadt, zurück. Hier bestand er, von jeder Verbindung mit Rom und den Provinzen abgeschnitten, unter der größten Bedrängnis neun Monate lang den Kampf gegen die empörte, vielmal überlegene Menge der Feinde. Um sich den Zugang zum Meere zu öffnen, verbrannte er die ägyptische Flotte im alexandrinischen Hafen, weil er nicht hoffen konnte sie zu erobern. Der Brand ergriff aber auch das Brucheion selbst, und die Hälfte jener berühmten alexandrinischen Bibliothek, die sich hier befand, ward ein Raub der Flammen. Während dieses traurige Schauspiel die Aufmerksamkeit der Einwohner beschäftigte, besetzte Cäsar die kleine Insel Pharos, die vor dem Hafen lag und den berühmten Turm, der als eins der sieben Wunderwerke der alten Welt galt. Von da an drehte sich der Kampf um die Behauptung des Hafens. Die Ägyptier schnitten den Römern das Trinkwasser ab und leiteten Meerwasser in ihre Cisternen. Um der Not abzuhelfen, ließ Cäsar neue Brunnen graben. Bald aber geriet auch die Insel Pharos, die durch einen Damm mit dem Brucheion zusammenhing, in die Hände der Feinde. Vergebens suchte Cäsar sie wiederzunehmen. Er wurde zurückgeschlagen und kam dabei selbst in Lebensgefahr. Denn als er vom Damm in ein Schiff sprang, drohte dieses wegen Überfüllung zu sinken. Da sprang er ins Meer und schwamm unter einem Pfeilregen einige hundert Schritte weit nach einem andern Schiffe, wobei er mit der einen Hand wichtige Schriften emporhielt, um sie nicht vom Wasser verderben zu lassen, und erreichte glücklich das Ufer. Endlich kam die langersehnte Hilfe, die ihm Mithridates, ein angeblicher Sohn des Königs dieses Namens, aus Kleinasien und Syrien zuführte. Dieser eroberte Pelusion; der König Ptolemäos wurde geschlagen und ertrank auf der Flucht im Nil. Nun ergab sich Alexandria dem Sieger (47); Kleopatra ward zwar als Königin von Ägypten anerkannt, das Land aber von einem römischen Heer besetzt gehalten.
Bevor jedoch Cäsar nach Rom zurückkehrte, mußte er noch einen Feldzug gegen Phárnakes, den Sohn des großen Mithridates, unternehmen. Dieser hatte, unzufrieden mit dem kleinen Königreiche, das ihm Pompejus gelassen, das väterliche Reich wieder erobert und gegen alle Römer grausam gewütet. Cäsar brach mit einer Legion gegen ihn auf; durch Syrien und Cilicien gelangte er nach Pontus, wo er den listigen Pharnakes überfiel und ihm in der entscheidenden Schlacht bei Ziéla eine vollständige Niederlage beibrachte (47). Er selbst war von seinem schnellen Sieg so überrascht, daß er an seine Freunde in Rom die berühmten Worte schrieb: „Ich kam, sah, siegte!“ (Veni, vidi, vici.) Pharnakes verlor alle Besitzungen und bald darauf durch einen treulosen Diener das Leben.
Jetzt erst kehrte Cäsar nach Rom zurück, wo seine Gegenwart dringend notwendig war, da ein unruhiger Volkstribun einen Aufstand verursacht hatte, der vielen Bürgern das Leben kostete. Cäsar stellte sogleich die Ruhe wieder her und überhäufte seine Anhänger mit Ehrenstellen und Belohnungen, dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf Afrika, wo sich die Anhänger des Pompejus gesammelt und eine bedeutende Macht an sich gezogen hatten. Noch war er mit den Rüstungen zu diesem Kriege beschäftigt, als eine Meuterei unter seinen Legionen ausbrach. Diese standen in Capua und warteten mit Ungeduld auf ihren Abschied, sowie auf die Belohnungen, die er ihnen versprochen hatte. Als er ihnen noch größere Belohnungen versprechen ließ, wenn sie ihm nach Afrika folgen wollten, empörten sie sich und brachen in ihrer Wut nach Rom auf, um sich ihren Lohn mit Gewalt zu holen. Nachdem sie auf dem Marsfelde angekommen waren, trat Cäsar unerwartet unter sie und fragte sie mit fester Stimme, was sie wollten. „Unsere Entlassung“, riefen sie. „Ihr sollt sie haben“, antwortete er, „und auch die versprochenen Geschenke, wenn ich an der Spitze anderer Legionen gesiegt habe und sie zum Triumphe nach Rom führe.“ Hiermit entfernte er sich und überließ die Bestürzten dem quälenden Gedanken, daß nun andere an ihrer statt Ruhm und Lohn neuer Siege ernten würden. Doch noch einmal wandte er sich an sie, aber nun nicht mehr mit der Anrede „Kameraden“ (commilitones), sondern mit der Anrede: „Bürger!“ (Quirītes). Da riefen alle, sie seien keine Bürger sondern Soldaten, und baten ihn sie nach Afrika zu führen.