Es ist eine Pflicht aller heimischer Grundbesitzer, der Anpflanzung von Walnußbäumen erhöhtes Augenmerk zuzuwenden. Die durch den Krieg gerissenen Lücken müssen sich wieder schließen, der Nußbaum muß auch deswegen ausgiebiger angepflanzt und gehegt werden, weil uns Elsaß und Lothringen, die seither einen hohen Prozentsatz des heimischen Bedarfs an Walnüssen und Nutzholz lieferten, verlorengegangen sind. Hieraus ergibt sich ohne weiteres, daß jetzt die Anpflanzung der Nußbäume viel lohnender sein wird als in früheren Jahren. Durch reichlichen eigenen Anbau und eigene Erzeugung von Walnüssen und Holz können wir auch die Einfuhr einschränken und dadurch einer wichtigen vaterländischen Pflicht genügen. Daß wir überdies durch Hegen des stattlichen großlaubigen Baumes auch unser Landschaftsbild verschönern und dadurch dem Heimatschutz trefflich dienen, wurde bereits erwähnt.

Einer ausgiebigen Anpflanzung des Nußbaumes werden mancherlei Bedenken entgegengestellt, die sich aber bei näherer Untersuchung fast durchweg als unhaltbare Vorurteile erweisen.

Es muß zunächst vorausgeschickt werden, daß unser Walnußbaum (Juglans regia) ein Kind des heißen Orients ist, aber auch in Südeuropa ausgedehnte wilde Bestände bildet. Er ist insofern etwas anspruchsvoll, als er geschützte Lage, mildes Klima und tiefgründigen nahrhaften Boden bevorzugt und gegen Spätfröste empfindlich ist. Nach meinen, über dreißig Jahre reichenden Erfahrungen ist aber der Nußbaum durchaus nicht so zart wie oft angenommen wird. Ein neben meinem Hause in Meißen, allerdings sehr geschützt stehender Baum, hat seit über zwanzig Jahren niemals durch Frost gelitten, auch sind viele Jahre vergangen seit ich das letztemal in der freigelegenen Umgebung von Meißen erfrorene Nußblüten feststellen konnte.

Vielfach ist die Meinung vertreten, daß der Nußbaum nur bis höchstens fünfhundert Meter Seehöhe und dann nur an geschützten Standorten ertragreich bliebe; in höheren Lagen empfehle sich seine Anpflanzung lediglich des Holzes, nicht aber der Fruchtgewinnung wegen. Diese Ansicht mag viel dazu beigetragen haben, daß man von der Anpflanzung abgesehen hat. Ich habe jedoch schon ganz andere Erfahrungen gesammelt. In Bärenstein im Müglitztale trug ein alter, in über fünfhundert Meter Höhe nicht besonders geschützt stehender, leider auch dem Kriege zum Opfer gefallener Nußbaum seit Menschengedenken reichlich Früchte und versagte nur dann einmal, wenn Spätfröste die Blüte vernichtet hatten, was aber, wie bereits erwähnt, auch in tieferen Lagen zuweilen vorkommt. Ein im gleichen Orte in fünfhundertfünfzig Meter Höhe stehender jüngerer Baum trägt seit einigen Jahren ebenfalls reichlich Früchte. Völlig überraschend war aber die Tatsache, daß sogar ein in siebenhundert Meter Höhe stehender jüngerer Nußbaum am Köllnerschen Vorwerk in Hirschsprung bei Altenberg noch ausgereifte Früchte trägt. Man hatte mit Blühen und Früchtetragen nicht mehr gerechnet, weil der Baum solange damit zögerte; es war dabei aber nicht beachtet worden, daß die Mannbarkeit des Nußbaumes nicht vor dem zwanzigsten Lebensjahre, vielfach sogar noch später eintritt.

Eine weitere Abneigung gegen das Anpflanzen der Nußbäume entspringt aus dem angeblich schweren Anwachsen verpflanzter Bäume und anderen Mißerfolgen, die aber durchweg aus gärtnerischen Mißgriffen entstehen und lediglich darauf zurückzuführen sind, daß man die natürliche Eigenart des Nußbaumes sehr oft außer Acht läßt. Der Nußbaum darf nur im Frühjahr umgepflanzt werden, die Wurzeln sind dabei zu kürzen und zurückzuschneiden. Da der Nußbaum im Gegensatze zu seinem harten Stammholze sehr weiche Wurzeln besitzt, kommt es sehr oft vor, daß die noch nicht angewachsenen Wurzeln der im Herbst versetzten Bäume während der Winterruhe verfaulen und absterben, wodurch der Baum stets eingeht. Wenn irgend möglich, vermeide man das Verpflanzen überhaupt und lege die Samennüsse gleich an die späteren Standorte der Nußbäume. Der Nußbaum darf, im Gegensatz zu den meisten anderen Bäumen nur im vollbelaubten Zustande, am besten im Frühjahre verschnitten werden; der Rückschnitt im unbelaubten Zustande während der Winterruhe bringt ein Kränkeln und völliges Absterben des Baumes mit sich. Bei Anpflanzung von Alleen ist darauf zu achten, daß die Nußbäume mindestens fünfzehn Meter voneinander entfernt zu stehen kommen. Um gesund zu bleiben, muß sich der Baum nach allen Seiten frei entwickeln können.

[1] Siehe Band X, Heft 4/6, Seite 95.


Praktischer Heimatschutz