Die Sandsteinplatte wurde von anhaftendem Mörtel und Putz gereinigt, dann die als Rahmen gedachte, vorstehende und abgerundete Wulst oder Kante aus einem Gemisch von Zement und Sand aufgetragen und verputzt; die Mauer nach hinten um einige Zentimeter erhöht, um den darauf liegenden Dachziegeln, die als Schutzdach und gleichzeitig, um das Ganze zu heben, als Abschluß und zur Zierde dienen sollen, eine schräge Lage zu geben.

Diese Arbeit nahm ungefähr sieben Stunden in Anspruch, fand aber dadurch eine unerwünschte Unterbrechung, daß wir von einem Wohlfahrtsbeamten wegen Entheiligung der Sonntagsruhe zur Anzeige gebracht wurden. Ich ließ mich selbst zur Wache führen, und erwirkte nach längerer Rücksprache mit dem Wohlfahrtsinspektor, daß wir doch diese Arbeit zu Ende führen konnten. Darüber habe ich seinerzeit im Heimatschutz persönlich Bericht erstattet.

Zum Schluß wurden die ausgebesserten Stellen dieser Mauer mit Weiße überstrichen. Die Wulst aber bekam einen Anstrich in dunkel Ocker, während die Innenfläche ganz hell Ocker gehalten wurde. So kam aber die alte Schrift noch entschieden zu wenig zum Vorschein, wir sahen aber vorläufig von einem Ausmalen der Buchstaben noch ab, da wir befürchteten, daß das Historische dieses alten Spruches dadurch einbüßen würde.

Soweit wieder hergestellt, nahm der Heimatschutz eine Besichtigung unserer Arbeit vor, wobei ihm vor allem die sich zu schwach hervorhebende und dadurch schwer leserliche Schrift auffiel. Er riet uns deshalb, das Ausmalen der Schrift doch noch vorzunehmen. Diese Arbeit wurde am 8. August ausgeführt. Mit Dunkelgrau ausgemalt wirkt dieser Hausspruch wieder wie ehedem auf die Vorübergehenden und selbst der Pastor von Trachau sprach gleich am nächsten Tage in diesem Hause vor, und war sehr erfreut und doch beschämt, daß sich Leute gefunden hatten, die diesen alten Spruch wieder zu Ehren brachten. Er selbst gestand zu seiner Schande, wiewohl er über zehn Jahre hier im Amte sei, wäre ihm dieser herrliche Spruch noch nicht aufgefallen. So mancher, der hier hunderte Male vorbeiging, ohne ihn zu bemerken, macht jetzt Halt vor diesem alten Spruch und sinnt. Der eine flüchtig, der andere nachdenklich. Was mögen sie wohl alle denken? Warum hat man den alten Spruch gerade jetzt wieder sichtbar gemacht?

Alt-Trachau
(Aufnahme Julius Georg Perlik, Dresden-Rochwitz)

Die Bauersfrau gegenüber hat mir es erzählt, immerwährend ständen jetzt Leute hier – meist alte, aber auch junge – und buchstabierten den alten Spruch. –

Herr Perlik, der mich auch hier wieder in dankenswerter Weise unterstützt hat, indem er mit besonderer Liebe und Sorgfalt den größten Teil dieser Arbeiten nach meinen Angaben ausführte, fertigte auch umstehende Aufnahmen an. Während mein Wanderfreund Burk Handlangerdienste leistete, führte Herr Schilling die malerischen Arbeiten aus. Die Skizze hierzu hatte Herr A. Wiehl nach der Natur angefertigt und den zur Ausführung gebrachten Entwurf dabei mit eingezeichnet. Ich übte das Amt eines Poliers aus.