Aber ich könnte auch berichten von manchem stolzen Baume, den Generationen seiner früheren Besitzer, als zur Familie gehörig, hegten und pflegten und der dann nur zu bald dem neuen Besitzer im Wege stand und als Feuerholz ein schnelles, unrühmliches Ende fand.

Wo ein altersgrauer Baum heute noch sein grünes Blätterdach zum Himmelsdome reckt, da sollte er jedem Menschen als ehrwürdiges Vermächtnis seiner Väter heilig sein. Unantastbar als Denkmal der uns alle nährenden Mutter Natur, unverletzlich als lebendes Ehrenmal seines Besitzers. So sollte es sein – aber die Erfahrung lehrt’s oft anders.

Bei der Hast des Alltags, in den Sorgen der Gegenwart schwingt die uns aus Urväterzeiten vererbte Liebe zum Baume nur noch leise. In manchen Herzen ist sie ganz verklungen. Für viele hat der Baum keine Seele mehr. Er ist Handelsware geworden, Erzeuger hochwertigen Holzes. Ohne Not und ohne bleibende Werte zu hinterlassen, ist mancher knorrige Recke und stumme Zeuge vieler Menschenschicksale auf den Holzmarkt gewandert.

Aber sie muß wieder lebendig werden, die Liebe zum Baum. Ein jeder Bauernhof muß wieder seinen Baum haben. Darum wähle jeder, der die eigne Scholle bebaut, je nach Vermögen einen oder mehrere der ältesten und schönsten Bäume aus seinem Besitzstande, ganz gleich welcher Art, und weihe sie, als herrliche Zierde seiner Heimatflur. Das stille Gelöbnis aber, daß sie in treuer Hut wurzeln sollen im heimischen Grunde, bis unsere, nach ehernen, unerforschlichen Gesetzen bauende Allmutter Natur ihre Werke selber zerstört, wird seinen Namen laut und sichtbar künden auch den kommenden Geschlechtern.

Und wer keinen geeigneten Baum sein eigen nennt, der pflanze einen solchen. Ist’s nicht am Hause, dann am Feld- und Wiesenrande, oder an einem Grenzmale. Ist er auch jung an Jahren, er wächst heran im Laufe der Zeiten und knüpft enger und fester das unsichtbare Band, welches verbindet mit dem Heimatboden, auf dem wir geboren und der uns aufnehmen wird zum letzten Schlummer, dem Vergessen entgegen.

Nicht einer, der jetzt mit Recht bewunderten Baumriesen dankt sein hohes Alter dem Zufalle oder ist bisher übersehen worden, sondern ihre Erhaltung sicherte ein Name, eine bedeutsame Erinnerung oder ihr Standort als Grenz- und Markbäume. Vor allen aber wurden sie alt im Schutze der innigen Beziehungen zu ihren Besitzern.

Der Bestand an alten Bäumen ist ein Maßstab für die Geistes- und Herzenskultur eines Volkes. Deshalb sorge jeder, der auf heimischen Grunde die Früchte harter Arbeit ernten darf, daß unser Sachsenland nie arm werde an alten Bäumen.

Nur dann bleibt uns die Heimat ein Jungbrunnen, aus dem Glück und Zufriedenheit ins Herz sich ergießen, die reich machen in aller Lebensnot.