Aber es ist unterdessen spät geworden bei unseren Betrachtungen, und wir müssen noch ein tüchtiges Stück Weg über die Höhen zurücklegen, die vor uns liegen, um noch vor Abend zu unserem Ziel zu kommen. Schon ziehen sich im Reußischen, das sich drüben jenseits des Stelzenbaumes erhebt, die Abendwolken zusammen, aber rückwärts von uns hat das Gewitter ausgetobt, das noch vor einer Stunde über der Landschaft gelegen hat: der ganze Grund, der sich bis in die Straßberger Gegend hinzieht, ist von Nebel verhüllt, aus dem sich nur taufrisch einzelne Waldstücke und Wiesen hervorheben. Noch ein seltsam schönes Bild soll unsere Aufmerksamkeit anziehen, ehe wir weiter wandern. Seitwärts von dem holprigen Wege, der eben wieder am Tannenwald entlang eine größere Höhe genommen hat, ruht ein See, dessen Oberfläche nach dem Gewitter dampft, das auch hier wie ein verjüngendes Bad über die Natur gegangen ist, und wie scheu öffnen sich die Kelche der Wasserrosen den Strahlen der Sonne, die sie jetzt wieder auch in diesen stillen Erdenwinkel herniedersendet. Der Dichter des Vogtlandes, J. Mosen, der in einem Dörfchen an den Abhängen jenseits der Elster geboren ist, hat das Bild, das uns hier die Natur vor Augen zaubert, in Worte gekleidet:
Der See liegt tief im blauen Traum,
von Wasserblumen zugedeckt;
ihr Vöglein hoch im Fichtenbaum,
daß ihr mir nicht den Schläfer weckt!
Doch leise weht das Schilf und wiegt
das Haupt mit leichtem Sinn;
ein blauer Falter aber fliegt
einsam darüber hin! – –
Unser Weg geht nach dem hart an der bayrisch-reußischen Grenze gelegenen Dorfe Mißlareuth; aber bevor die Sonne untergeht, soll sie uns noch einmal ein Stück vogtländischer Landschaft von einer weihevollen Stätte aus vor Augen zaubern. Nach einstündigem Marsche, der wegen der Steigerung zusehends anstrengt, gelangen wir nach dem Dörfchen Krebes, das sich eine lange Talrinne hinaufzieht, und daneben liegt, mit überraschend schönem Blick auf das wellige Hügelland, eine weithin sichtbare Grünsteinkuppe, der Burgstein, in dessen Ruinen die Reste zweier Wallfahrtskapellen zu finden sind. Beide wurden 1430 von den Hussiten zerstört, und damit verschwand auch das berühmte Marienbild, dessen Gnadenhandlungen der Burgstein seinen Ruhm und seinen Reichtum zu danken hatte. Das liebliche Landschaftsbild, das ehrwürdige Gemäuer umrandet vom Grün der Fichten, erinnert an so manches Gegenstück im Fichtelgebirge wie an den Epprechtstein und den Waldstein, von dem die Blicke fast bis zu uns herüberschweifen. Wir empfinden, was ein Dichter des Vogtlandes aus jüngster Zeit hier in Worten ausgesprochen hat: