Abb. 5 Guteborn, Wirtschaftshof

Im Schloßparke wird natürlich nie ein Kahlhieb geführt, auch in den übrigen, zweitausend Morgen großen Waldungen der Herrschaft Guteborn wird mit Vorliebe zum Plänterbetrieb gegriffen. Die Eigenart der Waldlandschaft bleibt dadurch erhalten, dabei sind niemals größere Ungezieferschäden beobachtet worden.

Der Prinz stellte mir auch des Parkes treuen Hüter und fleißigen Pfleger vor, einen Mann mit grauem Haar. Gar eigen wurde mir ums Herz, als ich seine Geschichte hörte. In der Nähe geboren, war er später jahrzehntelang Schutzmann in der Reichshauptstadt; dann zog’s ihn wieder zurück nach der Heimat; Berlin hat nicht vermocht, die Heimatliebe im Herzen dieses schlichten Mannes zu ertöten. Er fühlt sich glücklich unter den Bäumen des ihm anvertrauten Parkes, er hat nun erst gefunden, was ihm das Leben bisher versagte. Gäbe es doch noch viele Menschenkinder, die auch in der Fremde die Fühlung mit der Heimat nicht verlieren, die auch im Trubel der Großstadt nicht wurzellocker werden in der Heimaterde. Es würde besser um uns stehen.

Abb. 6 Quellteich der »Guteborn«

Mehrere Stunden noch brachte ich in Guteborn zu; es gab noch Vieles und Schönes zu schauen; denn überall zeigt sich der Schönheitssinn und die Naturliebe des Prinzen. Ich bin durch die Wälder gestreift und habe mich darüber gefreut, daß hier trotz aller forstmännischen Sorgfalt der Schönheitsgedanke noch Raum zur Betätigung gefunden hat. Auch die Felder werden in dieser Weise gepflegt. Dafür nur ein Beispiel. Um eine einförmige junge Obstbaumpflanzung zwischen den Feldern stimmungsvoll zu beleben, ist sie durch eine Ginsterhecke verbunden; die Hecke dient nicht nur zur Hebung der landschaftlichen Schönheit, sondern bietet auch den Vögeln Unterschlupf und Nistgelegenheit.

Im Dorf Guteborn wird man Zeichen vom Schönheitssinn und den Wohlfahrtsbestrebungen nicht vergeblich suchen, davon sprechen die schmucken Häuser der herrschaftlichen Beamten und der prinzliche Gasthof, dessen Innenausstattung eine Fundgrube für den Freund der Volkskunde darstellt. Die Einwohner schätzen ihren Prinzen außerordentlich hoch, hat er doch ein fühlendes Herz für ihre Nöte und Sorgen. Das ist wohl selbstverständlich; wie könnte auch ein derartiger Natur- und Tierfreund, ein so vorbildlicher Schützer der stummen Kreatur gefühllos gegen seine Mitmenschen sein!

Den Höhepunkt meines Besuches bildete die prinzliche Familientafel, zu der mich Seine Durchlaucht geladen hatte und eine Stunde anregendster Unterhaltung, die sich daran anschloß. Ich erfuhr dabei auch, daß der Prinz den Natur- und Heimatschutz nicht nur selbst in vorbildlicher Weise pflegt, sondern auch die Natur- und Heimatschutzvereine unterstützt und ihre Bestrebungen fördert.

Die Dämmerung brach herein als mich das prinzliche Geschirr wieder hinaus fuhr in das geschäftige Leben und Treiben des Alltages. Vom Waldrande warf ich noch einen Blick zurück auf das Naturparadies Guteborn und das stolze Schloß, in dem der Mann wohnt, der im Gespräch von sich sagte:

»Ich bin nur der Hüter, der oberste Beamte meiner Güter; ich habe nur zu hüten, zu pflegen und zu erhalten für kommende Geschlechter!« –