Ich glaube, diese Namenübersicht, die selbstverständlich zu einem dicken, höchst interessanten Buch ausgebaut werden könnte, zeigt schon, wie weit und wie tief das Gebiet des »denkenden« Wanderers ist. Sie zeigt aber auch, daß man nicht von heute auf morgen in diese Wandererkategorie übergehen kann. Schule, Volkshochschule, Heimatschutzvorträge und eine reiche Literatur bieten aber dem Wollenden und Ausdauernden die Mittel, um diese Ziele zu erreichen. Vielleicht ist ein andermal Gelegenheit, die sämtlichen Hilfswerke des denkenden Wanderers wohlgeordnet aufmarschieren zu lassen; an dieser Stelle will ich nur auf die Bücher hinweisen, die ausgearbeitete Touren bieten. Es sind dies in erster Linie die Dresdner, Chemnitzer, Lausitzer[2] und Leipziger[3] Wanderbücher, herausgegeben von Erdkundelehrern der betreffenden Orte. Dem vorwiegend historisch eingestellten Wanderer werden Schmidts Kursächsische Streifzüge, dem geologisch interessierten die Führer von Beck, Nessig (Dresdens Umgebung), Krenkel (Nordwestsachsen), Beger (Lausitz) und Credner (Granulitgebirge) reiche Anregung geben[4].
Der unselige Krieg hat uns siebzigtausend Quadratkilometer deutschen Landes geraubt. Wie viele von uns haben sie gekannt? Wer kennt von den uns verbleibenden vierhundertsiebzigtausend Quadratkilometern nur den hundertsten Teil so, wie es eines Volkes der Denker und Dichter, Goethes und Humboldts, würdig ist? – Schöne Anfänge auf diesem Gebiete lassen schöneren Fortgang erhoffen. Die Volkshochschulkurse, die sich dieser Aufgabe widmen, sind überlaufen, und die geographischen Wanderbücher, die ebenfalls denkende Wanderer erziehen wollen, »gehen« beinahe wie Courts-Mahlersche Romane. Erfreulicherweise zeigt sich dabei auch wieder die Wahrheit des Karl Brögerschen Kriegsliederrefrains: »daß Deutschlands ärmster Sohn auch sein getreuester war.« Möchten diese Pioniere auf dem behandelten Gebiete recht bald viele Kameraden aus allen Schichten finden, die mit ihnen ein neues gemeinsames Glück sich erkämpfen in der schauenden, fühlenden und denkenden Eroberung der Heimat.
Fußnoten:
[2] Erschienen bei Wittig und Schobloch, Dresden-Wachwitz 1921/22.
[3] Verlag von Bressendorf, Leipzig 1920.
[4] Vergleiche auch die weniger geographisch als literarisch bedeutungsvollen Schilderungen in Johanna M. Lankaus Dresdner Spaziergängen und Edgar Hahnewalds Grünen Film. Weitere Wanderaufsätze von letzterem (Oschatz, Leisnig, Mühlberg, Strehla, Pulsnitz, die Röder, der Valtenberg, der Triebenberg, Stolpen, Bischofswerda, der Schraden usw.) erschienen in der Dresdner Volkszeitung. – An gleicher Stelle finden sich des Verfassers erdkundliche Wanderungen: 2. November 1921: Moritzburg, 23. November: Gottleuba-Nollendorf, 4. März 1922: die Heide, 1. April: Auf den Spuren der Eiszeit, 15. April: Durchs Meißner Land, 26. April, 13. Mai: Auf der Wetterwarte, 24. Juni: Auf der Zille.
Das Abkochverbot.
Das vom Finanzministerium im Sommer 1921 erlassene Verbot des Mitführens von Geräten zum Abkochen in den fiskalischen Waldungen außerhalb der öffentlichen Wege hat manche Verstimmung in der Bevölkerung erregt und ist mehrfach als unbegründete Beschränkung der persönlichen Freiheit bezeichnet und deshalb auch in der Sitzung des Vorstandes Abteilung Naturschutz des Sächsischen Heimatschutzes zur Erörterung gestellt worden.
Über die Gründe, die zu dieser Maßnahme geführt haben, gab Oberforstmeister Feucht als Vorstand des Forstbezirks Schandau, der in erster Linie von zahlreichen und umfänglichen Brandschäden im Jahre 1921 betroffen worden war, folgende Aufklärung:
Bei dem anhaltend schönen, trocknen und heißen Wetter, das im Frühjahr 1921, Sommer und Herbst mit ganz kurzen Unterbrechungen geherrscht hatte, ergossen sich in die Sächsische Schweiz Ströme von Wanderern, von wilden und zahmen Wandervögeln, Pfadfindern und Bergsteigern, die zum großen Teile Geräte zum Abkochen mit sich führten.