Von den Hebenstreitschen Reisebriefen an den Kurfürsten August den Starken erschien die eine Hälfte gedruckt 1783, die andere, wichtigere gar erst 1865 in dem erwähnten Weberschen Auszuge. Einer von Hebenstreits Reisebegleitern war Christian Gottlieb Ludwig, damals stud. med. in Leipzig. 1709 in Brieg (Schlesien) geboren und aus dürftigsten Verhältnissen stammend, verlebte er eine sorgenschwere Kindheit und Studienzeit. Nach der afrikanischen Reise vollendete er seine Studien und starb 1773 in Leipzig als Professor der Medizin, Dekan und Mitglied vieler gelehrter Gesellschaften. Die literarischen Fähigkeiten des jungen Ludwig erfreuten sich der wohlwollenden Förderung Gottscheds. 1765/66 war der junge Goethe regelmäßig Tischgast des Ludwigschen Hauses und hat dort vor allem in naturwissenschaftlicher Beziehung mancherlei Anregung erhalten.

Erst zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts führte ein glücklicher Zufall zur Entdeckung des von Ludwig verfaßten, wertvollen handschriftlichen Reiseberichts in der Universitätsbibliothek zu Leipzig (»Observationes miscellaneae Durante Itinere Africano Scriptae, 1731/33«). Dieses Reisetagebuch von vierhundert engbeschriebenen Quartseiten Umfang als Hauptquelle und andere neuaufgefundene Akten und Handschriften lassen die sächsische Afrikaexpedition von 1731/33 in einem ganz anderen Licht erscheinen als früher. Die von einem sächsischen Fürsten ausgesandte, aus sechs wissenschaftlich gebildeten Mitgliedern bestehende, in einem großen Stil angelegte und nur zu wissenschaftlichen Zwecken bestimmte Expedition eröffnet das Zeitalter der wissenschaftlichen Forschungsreisen.

Es kann nicht Zweck dieses Aufsatzes sein, auf die Reise selbst einzugehen, so wichtig ihre Stellung in der Geschichte der Entdeckungen ist, wohl aber dürfte manchen unsrer engeren Landsleute die Vor- und Nachgeschichte jener einzig dastehenden sächsischen Afrika-Expedition interessieren.

Das Archiv der Generaldirektion der Staatssammlungen enthält ein bisher unveröffentlichtes Aktenstück, das sich auf die Hebenstreitsche Afrikareise bezieht. Es umfaßt u. a. eine Zusammenstellung Hebenstreits über seine und seiner Reisebegleiter Pflichten, eine »Beylage derer Sachen, welche insonderheit anzuschaffen mich äußerst bemühen werde« (Quadrupedia, Volabilia, Insecta, Pisces, Partes animalium, Vegetabilien, Marinische Gewächse, Mineralien). Der in demselben Aktenstück befindliche ausführliche Reiseplan, den Hebenstreit dem König überreichte, läßt uns einen Begriff gewinnen, welche vielseitigen Aufgaben die Reisegesellschaft zu erledigen sich vorgenommen hatte. Da dieser Reiseplan für die Geschichte der Naturwissenschaften und der Forschungsreisen gleich wichtig ist, sei er hier in seiner ganzen Ausdehnung wiedergegeben, und das um so mehr, als er bisher noch niemals veröffentlicht worden, also gänzlich unbekannt geblieben ist. Er hat folgenden Wortlaut:

»Nachdem ich auf allerhöchsten Königl. Befehl die Reiße nach Africa übernommen und zu gewißenhafter Verwaltung meines Ampts bereits den Eyd der Treue abgelegt, habe ich zu Ausfertigung meiner Instruktion nach Vorschrifft theils derer von Ihro Königl. Majesté erhaltenen Befehle, theils derer von dem Herrn Hoffrath und Leib Medico von Heucher gegebene Nachrichten folgende puncte entworffen:

Ich soll zwar in allen Reichen der Natur das seltsamste und der attention eines Königs würdigste aufnehmen, vornehmlich aber ist Ihro Kgl. Maj. allerhöchster Wille, lebendige Tiere von allen möglichst zu erhaltenden Arten zu übersenden, von welchem Hauptpunkte als der vornehmsten Absicht ich durchaus nicht abweichen soll. Darnach werde ich mich bemühen, nachdem ich verstanden, daß dieses des Königs Wille sey

1.) Einige wohlgewachßene junge gesunde, meiner Statur gleich seyende oder auch übertreffende Mohren auf dem Sklaven Handel zu Guinea oder sonst woher zu erkauffen, und werde ich mich, wegen der Anzahl dieser, nach der Bequemlichkeit des Transports richten.

2.) Barbarische Pferde, von der wahrhaften Race, so wie solche in denen Ställen derer Deys und Könige allein unterhalten werden, zu erhandeln, wobey ich mich des Raths der Sache Kundiger bedienen und da bekandt, daß gedachte Pferde gegen Gewehre vertauscht werden, den Handel mit Zuziehung eines Consuls einer Europäischen Nation, welcher die Garantie über sich nehmen soll, zu seiner Richtigkeit bringen werde.

3.) Ich werde etliche Elephanten erkauffen, die ich baldmöglichst in denen Europa näher gelegenen Küsten aufnehme, umb diesen Thieren die Ihnen beschwehrliche Schiff Fahrt kürtzer zu machen, und da ein weiter Weg zu Lande biß hieher gleichfalls zu evitieren, werde ich solche auf Amsterdam gehen laßen, und soll ich zu dererselben und anderer Thiere und Sachen, deren ich soviel als möglich eine Anzahl auf einmahl senden will, Begleitung einen meiner Gefehrten mitsenden, welcher die Verpflegung, Speiße, Gewohnheiten und Krankheiten derer Thiere und deren Cur erlernet habe; bemeldetem Studioso kan ein oder mehrere Thier Wärter zugeordnet werden.

4.) Ich will einige Strauße verschiedenes Geschlechts aufnehmen, und diejenigen Nachrichten einziehen, welche zu der Vermehrung dieser Thiere allhier etwas beytragen können.