Derweilen kam der Benno mit dem Wagen, und nach nochmaligem, umständlichen Abschied von meinen Eltern, besonders von meinem Stiefvater, der mir noch ein Goldstück zusteckte und mir viel Glück wünschte, fuhren wir drei fort.

In unserer Wohnung angekommen, gab es sogleich eine kleine Auseinandersetzung der Frau Hasler mit ihrem Sohn; denn während er alle Lichter anzündete, die er fand, schürte sie rasch den Ofen des Wohnzimmers an und begann dann mir den Schleier und Kranz abzunehmen. Sie war fast damit fertig und ich mittlerweile auf dem Stuhl beinah eingeschlafen, während sie mit halblauter Stimme mir allerhand freundliche, gütige Worte sagte, als mein Mann dazukam und rief: „Was fallt dir denn ei, Muatta! Dös is mei Arbat, mei Frau ausz’ziagn!“

„Schrei net so grob, du Wüaster! Dei alte Muatta werd wohl so viel Ehr wert sei, daß s’ ihrana Schwiegertochter beim Ausziagn helfn derf!“

„Naa, sag i, dös leid i net!“ schrie da der Benno und entriß ihr den Brautkranz, den sie mir eben vom Kopf genommen hatte. „I ziag mei Frau scho selber aus, und überhaupts hast du jatz nix mehr z’tuan da herobn; i brauch di nimma!“

Da begann die alte Frau bitter zu weinen über die Grobheit ihres Sohnes und sank fassungslos auf einen Sessel. Ich empfand tiefes Mitleid mit ihr und nahm ihren Kopf in meine Hände und sagte: „Sei do stad, Muatterl! Der Benno moant’s net a so; der hat halt heunt an Rausch!“

Aber sie war nicht zu trösten: „Wie werd’s dir geh, arms Kind, bei dem Rüapel!“ rief sie aus und sprang dann plötzlich auf und stellte sich mit funkelnden Augen vor meinen Gatten: „Dös sag i dir; daß d’ma s’ schonst, dei Frau; sonst, bei Gott, is g’fehlt, wannst es machst wia ...!“

Mitten im Satz brach sie ab und trat zur Seite, doch hatte das Ganze einen tiefen Eindruck auf mich gemacht, und ich ging nochmals zu ihr hin und sagte: „Muatterl, reg di net auf! Mach mir mein Rock auf, und nachher tuast schlaffa geh. I komm morgn früah scho nunter zu dir, gel!“ Dann gab ich ihr noch einen Kuß, und nachdem sie mir das Kleid geöffnet hatte, ging sie, ohne dem Benno noch eine gute Nacht zu wünschen.

Ich zog mich schnell vollends aus und schlüpfte, während mein Mann überall herumlief und sich an unserm Eigentum erfreute, ins Bett.

Und ich war schon eingeschlafen, als er kam, und am andern Morgen, als ich aufstand, war ich nicht mehr das frische, sorglose Mädchen, und der Spiegel zeigte mir ein müdes, fremdes Gesicht.

So hatte ich denn den ersten Schritt in das Leben getan, das mir noch so übel geraten sollte.