Eilends lief sie dann an alle Türen und verriegelte und versperrte das ganze Haus, zog die Vorhänge der unteren Stube zu und versteckte sich mit mir unter dem kleinen Fensterchen des Hausflözes.

Meist waren die Musikanten zu dreien, und der dritte hatte, während die andern aufbliesen, sich um den Sold und etwaige nicht sicher genug verwahrte Habe, die des Findens wert war, umzuschauen. Da schlich er denn ums Haus, versuchte alle Türen, lugte an den Fenstern herum und gab endlich in seiner verworrenen Sprache den mißmutigen Bescheid, daß niemand zu Hause sei. Fluchend machten sie alsdann, daß sie weiter kamen, während die Großmutter ängstlich und Gebete murmelnd auf den Dachboden ging und nach den Entschwindenden Ausschau hielt, ehe sie es wagte, wieder zu öffnen.

Während ich also sorglos dahinlebte, geliebt von den Großeltern, getadelt von Lehrer und Pfarrer, gefürchtet von jenen Kameraden, die mich einmal in meiner Wildheit verspürt hatten, gesucht von denen, die meine Streiche verstanden und dazu halfen, kam eines Tages die Nachricht, daß die Mutter in München geheiratet hatte. Ich war nämlich nur ein lediges Kind, und mein Vater war, als ich kaum zwei Jahr alt, auf der Reise nach Amerika mit dem Dampfer Cimbria untergegangen.

Bald nach der Hochzeit meiner Mutter kam an einem Sonntagvormittag ein Brief. Die Großeltern saßen gerade mit der Nanni bei der Vesper, während ich hinter dem Rücken der Großmutter einen Riß in meinem Sonntagsgewand mit ein paar Klufen zusammensteckte.

Auf einmal schlägt der Großvater mit der Faust auf den Tisch und springt auf: „Ja, hast jatz so was scho derlebt!“

Erschreckt fragt die Großmutter: „Was hast denn, Vata? Is leicht gar ebbas passiert bei der Lena z’ Münka drin?“

„Naa, aber ’s Lenei sollt i eahna eini bringa; sie verlangt’s!“

„Was!“ schrie ich und sprang auf. „I in d’Stadt! Naa, naa, dös tua i net!“

„Stad bist, du hast gar nix z’ redn!“ fuhr mich da die Nanni an. „Froh sollst sein, daß d’ eini derfst in d’ Stadt, wo’s d’ was Feins werdn kunntst!“