Bald hatte ich mir nicht nur die Zufriedenheit der Herrschaft erworben, ich war auch der Liebling der Offiziere und vieler vornehmer Gäste.
Am Tage vor ihrem Weitermarsch veranstalteten die Hauptleute der Einquartierten noch einen kleinen Ball, zu dem viele Münchner Offiziere samt ihren Frauen geladen waren. Vorher war ein reiches Mahl gegeben worden und ich hatte alle Hände voll zu tun. Danach gab mir ein jeder der Offiziere, die durch den Herrn schon erfahren hatten, daß ich eine Bürgerstochter und ein braves Mädel sei, die Hand, viel schöne Worte und einen blanken Taler, und einer bat mich gar um ein „Busserl“, wofür er mir versprach, er wolle ewig an dieses Herbstmanöver denken.
Ich hatte nichts weiter dagegen und gab ihm lachend den verlangten Kuß. Da hielt der junge Herr mich fest und legte mir ein feines Kettlein mit einem kleinen Medaillon um den Hals.
„Es ziemt sich nicht,“ meinte er dann ernst, „einem Mädchen aus gutem Haus ein Trinkgeld zu reichen; ich wenigstens kann es nicht und hoffe auch, daß meine lieben und geschätzten Kameraden das Mädel nicht entlohnen, sondern nur belohnen wollten.“
Ich war ganz bestürzt und dachte schon, jetzt müsse ich all das schöne Geld wieder hergeben; da rief ein alter, graubärtiger Offizier mit schnarrender Stimme: „Ah, was! Unsinn, Kamerad! Der Taler ist nicht Trinkgeld, sondern Andenken an uns fesche Kerle!“ worauf alles in Gelächter ausbrach und die Angelegenheit erledigt war.
Später, beim Tanz, bat der junge Herr meine Herrschaft, mir Urlaub zu geben, bestellte etwa zwanzig Flaschen Sekt und ließ sie gleich kalt stellen. Sodann befahl er den Offiziersburschen, zu bedienen.
Die andern Mannschaften hatten sich draußen in der Tenne bei einem Faß Bier versammelt und Wachtmeister und Unteroffiziere saßen im Nebenzimmer fidel beisammen.
Ich mußte ein gutes Kleid anziehen und war nun sehr begehrt, wobei ich fand, daß der Leutnant mit dem Kettlein es im Tanzen selbst den höchsten Offizieren zuvor tat. Er meinte es, wie mir schien, recht ehrlich mit mir; denn er wollte nicht einmal das „Busserl“, das er mir am Abend abverlangt hatte, behalten und gab es mir mit dankbarem Blick vierfach zurück, ehe er beim Morgengrauen den Tanzsaal verließ.
Am andern Tag sah ich die Truppen wohl fortreiten, doch konnte ich aus der großen Ferne keinen mehr erkennen.
Dafür kamen am Nachmittag abermals etwa zehn Reiter, zwar keine Offiziere, doch auch ganz muntere Gesellen, die in einer Reitschule das lernten, was sie später entweder zum Beruf brauchten oder womit sie andern einmal imponieren wollten.