Da trat eine große Frau in die niedere Stube in einem schwarz und weiß karierten Kleide über einem ungeheuern Cul de Paris. Auf dem Kopf trug sie einen weißen Strohhut mit schwarzen Schleifen und einem hohen Strauß von Margeriten. Sie stand da, sah mich kaum an, gab mir auch keine Hand und sagte nur: „Bist auch da!“
Als sie am nächsten Tag wieder fortgefahren war, fragte mich der Großvater: „No, Dirnei, magst nachha eini zu der Münkara Muatta in d’ Stadt?“
Da umhalste ich ihn, schüttelte den Kopf und sagte schnell: „Naa, naa!“
So durfte ich denn noch beim Großvater bleiben und wie zuvor mit ihm gehen, wenn er irgendwo zu arbeiten hatte.
In diesem Herbst war es nun, daß wir einmal zum Ausweißen gingen. Und als der Großvater bei der Arbeit war, schickte er mich wieder heim. Mein Weg führte mich am Obstgarten des Herrn Pfarrers vorbei, darinnen ich schon auf dem Hinweg einen großen Apfel hatte liegen sehen. Als ich jetzt wieder vorüberkam, suchte ich nach einer Zaunlücke, schlupfte hindurch und kroch auf allen Vieren durchs Gras und holte mir den Apfel. Da ich noch einen zweiten liegen sah, aß ich diesen sogleich und nahm den schöneren mit heim, um meiner Großmutter eine Freude zu machen.
„Großmuatterl, da schaug her,“ rief ich, „i hab dir was mitbracht; an schön’n Apfel vom Herrn Pfarrer!“
Da hatte die Großmutter eine rechte Freude; denn sie meinte, der Herr Pfarrer habe ihn mir geschenkt.
„Bist halt mei bravs Lenei; vergunnst deiner Großmuatta aa ebbas.“
Unter diesen Worten schälte sie den Apfel und schabte ihn; denn sie hatte fast keinen Zahn mehr im Munde.
„Ah, der is aba guat! Hättst’n net liaba selba gessn, Dirnei?“