RAINER:
Er hat es nicht getan. Ob er es in Zukunft darf, das wird die Wette entscheiden. Er hat behauptet, daß die Utopie eine Posse ist, deren Ideen ich nur aus Herrschsucht und Betrug im „Roten Pfad“ verbreitet habe. Ich werde ihm aber beweisen, daß die Politik, die ich treibe, von mir ethisch verantwortet werden kann.
GONN:
Das ist wertlos. Er glaubt dir doch nicht. Friedrich der Große bleibt absoluter Herrscher, auch wenn er der erste Diener des Staates zu sein beansprucht. Selbst sein Beweis könnte dich nicht vom Gegenteil überzeugen.
RAINER:
Ich würde mich von einem solchen Beweis überzeugen lassen. Nur die Möglichkeit dazu ist so schwer und selten, und deshalb muß ich Yges danken, daß er alle Schwierigkeiten durch die Wette überwunden hat — danken selbst noch, wenn ich verliere.
GONN:
Vor einer Stunde warst du trotz alledem gescheiter. — Ich hätte fast Lust, euch zu beweisen, daß ihr euch haßt, und alle Liebesphrasen nur Brücken sind, von denen allein die Konstruktion real ist. Verwechsele doch nicht Ursache und Anlaß. Wenn du mir doch glauben wolltest, daß die Leidenschaft sich des Anlasses bedient wie das Schicksal des Zufalls. Mußt du denn wie ein ungläubiger Thomas die Gründe berühren, um an sie zu glauben? Woher weiß du, daß der Meeresgrund des Ozeans kein Loch hat? Würde dein Haß da sein wie das Meer, wenn nicht ein festgefügter Grund ihn tragen würde?
RAINER (schweigt ).