»Was ist damit?« fragte er und wies auf Dembas Geld.

»Bleibt liegen,« sagte Demba.

»Also: Geld auf Geld!« sagte Dr. Rübsam. »Sprechen Sie gefälligst deutsch!«

»Ja. Geld auf Geld,« bestätigte Hübel.

»Dann ist's gut,« sagte der Ex-Advokat. »Ich wollt' nur wissen –« Er legte einen Stein in die Mitte des Tisches und das Spiel begann.

»Fort mit Schaden,« sagte die Suschitzky und schob ihren Stein an.

»Ich hab' alles,« erklärte der Redakteur mit Bezug auf seinen Vorrat an Dominosteinen.

Das Spiel ging weiter. Diesmal sah Demba gespannt und voll Erregung zu.

Da lagen seine neunzig Kronen, eingeklemmt in den Spalt zwischen zwei Reihen Dominosteinen. Und wenn er jetzt gewann, dann besaß er zweihundertundsiebzig Kronen. Abgegriffenes, zerknittertes Papier, das durch hundert schmutziger Hände gegangen war, und dennoch – Proteus Geld! – jedem der Menschen da, die über den Tisch gebeugt standen und es gierig mit den Augen verschlangen, erschien es in einer anderen lockenden Gestalt. Dem einen als durchjubelte, durchzechte Nacht, für den zweiten war es die längst schon fällige Wohnungsmiete. Für den dort hieß es: Sich satt essen können, einen ganzen Monat hindurch. Der wieder wird es Nacht für Nacht in die Winkelgassen der Dirnen tragen, dieser da wird es verspielen, beim Rennen oder an der Börse, die vergräbt es unter dem Strohsack ihres Bettes – und für ihn, für Demba, was war es für ihn? Er gab sich Mühe, sich das auszumalen. An altersgraue Türme wollte er denken, an Domportale und steinerne Engel, die Geige oder Laute spielten, an schmale, winkelige Gassen einer italienischen Stadt, durch die er Arm in Arm mit Sonja ging. Aber seltsam: Keines dieser Bilder wollte ihm erscheinen. Nicht die Stadt, nicht die Türme, nicht die Geige spielenden Engel. Alles blieb farblos und verschwommen und zerfloß in nichts. Dafür kamen andere Visionen, – die Gespenster der Wünsche, der Begierden, der Hoffnungen der Anderen nahmen in seinem Gehirn Gestalt an. Dr. Rübsam saß lachend bei Zigeunermusik mit zwei dicken Weibern vor Champagnerflaschen. Ein leeres Zimmer war plötzlich da, kein Stück Möbel stand darin, nur ein Bett, ein riesengroßes Bett, in dem Raum war für die Lust der ganzen Stadt, und die Suschitzky holte verstohlen unter der Matratze Geld hervor und liebkoste es. Der Postbeamte hatte Teller aus Steingut mit Brot, Wurst und Käse vor sich auf einem ungedeckten Tisch und schlang mit vollen Backen und hungrigen Augen Stück auf Stück hinunter. Und als die Wünsche und Begierden der anderen vor Dembas Augen grelles Leben gewannen und die seinen nicht, da begann er um sein Geld zu zittern und zu bangen, und es wurde ihm zur trostlosen Gewißheit, daß es verspielt war und daß es in diesem Augenblicke schon nicht mehr ihm gehörte, sondern dem Rübsam oder der Suschitzky.

»Gesperrt!« rief plötzlich der Redakteur, und die Suschitzky stieß im gleichen Moment ein Wehgeschrei aus: