»Wollen Sie es nicht doch von hier fortnehmen?« bat der Hofrat. Cyrus war mit der Wurst fertig und fiel rücksichtslos über das Butterbrot her. Stanislaus Demba schluckte ein paarmal, verschlang das Butterbrot gierig mit den Augen, aber er tat nichts, um es in Sicherheit zu bringen.
»Na!« zischte er wütend. »Ihr Hund scheint ja geradezu ausgehungert zu sein. Nicht ein Stückerl läßt er übrig, nicht das allerkleinste Stückerl.«
»Ja, warum haben Sie es denn nicht fortgenommen?« fragte Professor Truxa.
»Das Brot ist altbacken, wissen Sie, und vor Butter habe ich bei warmem Wetter geradezu einen Ekel. Ich hätte es ohnedies nicht berührt.«
Die beiden Gelehrten wandten sich wieder ihrer Arbeit zu. Aber für Demba schien die Angelegenheit noch nicht beendet zu sein. Ob es den Herren etwa nicht recht sei, fragte er herausfordernd, daß er ihren Hund mit seinem Butterbrot füttere. Es sei merkwürdig, daß manche Leute ihrem Hunde sein bißchen Fressen mißgönnten, selbst wenn es sie nicht einen Heller kostete.
Professor Truxa fragte seinen Freund, ob er es nicht für rätlich halte, sich nach einer anderen Bank umzusehen. Der junge Mensch wolle einen Streit vom Zaun brechen. – Um von Demba nicht verstanden zu werden, bediente Professor Truxa sich des Idioms der nördlichen Tuaregvölker, und zwar – der größeren Sicherheit halber – des Dialekts eines bereits seit längerer Zeit ausgestorbenen Stammes.
Stanislaus Demba schien es wirklich darauf abgesehen zu haben, die Gelehrten an der Weiterarbeit zu verhindern. – Ob der Herr vielleicht etwas Besonderes daran finde, wenn es ihm einfiele, einem fremden Hund sein Frühstück zu schenken, – fuhr er in gereiztem Ton den Professor an. Was denn weiter dabei sei? Bißchen Wurst und Brot. Um vierundsechzig Heller in jedem Greislerladen zu haben. Oder ob der Herr etwa glaube, daß man besondere Tricks oder Schliche oder Winkelzüge anwenden müsse, um in den Besitz von Wurst und Brot zu gelangen.
»Nein. Natürlich nicht,« sagte der erstaunte Professor höflich. Und der Herr sei augenscheinlich ein großer Tierfreund, – setzte er hinzu.
»Aber du bist ja ein liebes Hunderl!« rief Stanislaus Demba in plötzlich erwachter Begeisterung. »Du bist ein reizendes Hunderl.« Ob die Herren den Hund vielleicht abgeben wollten. »Nicht? Schade!« – Der Hund würde es bei ihm gut haben. Stanislaus Demba, – wenn er sich den Herren vorstellen dürfe. Demba, cand. phil. … Nach so einem Hund sei er schon lange auf der Suche. »Und von wem hat denn der Hund das schöne, rote Mascherl bekommen? Du bist aber ein herziger Hund! Na, so komm doch her zu mir! Willst du Zucker haben?«
»Geh hin, Cyrus!« sagte der Hofrat. »Gib dem Herrn schön das Pratzerl.«