»Das geht mich gar nichts an. Alles bleibt hier, so lange, bis ich meine Uhr wieder hab'.«
»Wollen Sie sagen, daß ich sie Ihnen gestohlen hab'?« protestierte der Sparkassenbeamte.
»Meine Herren! Einen Vorschlag!« rief Hübel. »Es liegt ja allen daran, festzustellen, daß unter uns kein Dieb ist. Ich schlage vor, daß wir uns einer nach dem anderen von Dr. Rübsam untersuchen lassen. Ich bitte,« schrie er laut in das Gewirr streitender Stimmen hinein, »das soll für niemanden eine Beleidigung bedeuten. Ich selbst will den Anfang machen.«
Er zog den Rock aus und kehrte die Taschen um. Dr. Rübsam untersuchte ihn. Nicht allzu sorgfältig. Er hatte einen bestimmten Verdacht: Die Suschitzky war einmal während des Spieles längere Zeit hinter ihm gestanden.
All das, was im Zimmer vorging, hatte Demba nicht beachtet und nicht gehört. Auf dem Spieltisch, auf dem sein Einsatz gelegen war, war jetzt eine ganze Anzahl Banknoten verstreut und Silbergeld dazu, zweihundertsiebzig Kronen, und die gehörten ihm. Wie eine Katze strich Demba um den Tisch herum. Wie mußte er es anstellen, daß das Geld in seine Hände und in seine Tasche kam! Den günstigen Augenblick abpassen und blitzschnell danach langen – es sah so leicht aus und dennoch! Demba wagte es nicht.
Der Sparkassenbeamte war jetzt an der Reihe, und die Untersuchung seiner Taschen förderte ein Taschenmesser, ein Zigarettenetui aus Karlsbader Sprudelstein, zwei Pariser Gummispezialitäten und eine Broschüre: »Die Kunst zu plaudern und ein Gespräch anzuknüpfen« zutage. Dann kam »Semmelbrösel«, der Kellner, daran, aber nur ein halbes Dutzend Photographien in Kabinettformat, die ihn selbst Arm in Arm mit einer ältlichen, sehr verliebt dreinsehenden Dame darstellten, kam ans Licht. Und jetzt wandte sich Dr. Rübsam an Stanislaus Demba.
»Darf ich bitten?« fragte er höflich.
Demba fuhr zusammen. »Was wollen Sie?«
»Nur eine Formalität natürlich,« sagte Dr. Rübsam. »Ich bin selbstverständlich vollkommen überzeugt – aber –«
»Was wollen Sie denn?« fragte Demba, ärgerlich über die Störung. Ihm war gerade in diesem Augenblick ein Mittel, das Geld in Sicherheit zu bringen, eingefallen. Er wollte Hübel bitten, das Geld vorläufig zu sich zu stecken, und das Weitere würde sich dann leicht finden.