Zwischen halb zwölf und zwölf Uhr mittags, wenn die Essensstunde heranrückte, war es meist sehr still im Café Hibernia gegenüber der Börse. Das Heer der Handelsagenten, Firmenchefs und Börsenbesucher, die in den Vormittagsstunden das Lokal mit lärmendem Treiben erfüllten, die hier ihr Gabelfrühstück nahmen, ihre Geschäfte abwickelten, Konjunkturen erörterten, ihre Korrespondenz erledigten, und dazwischen hindurch die Zeitungen studierten, durchblätterten, oder wenigstens durch Herausreißen des Kurszettels entmannten, hatte sich nach allen Richtungen verlaufen. Das Nachmittagsgeschäft des Kaffeehauses, der Aufmarsch der Domino-, Billard-, Tarock- und Schachspieler begann erst nach ein Uhr. Der Kellner Franz, dem für diese Stunde auch das Ressort des Zahlmarkörs übertragen war – der »Ober« war beim Mittagessen –, lehnte an einem Billardtisch, blinzelte schläfrig mit den Augen und kiebitzte den beiden einzigen Gästen, zwei Geschäftsreisenden, die ihre Strohmannpartie noch nicht beendet hatten. Das Fräulein an der Kasse pickte die Brösel einer angeschnittenen Linzertorte vom Teller auf.
Stanislaus Demba trat ein. Er behielt den Hut auf dem Kopf, aber das fiel in dem mitten im Geschäftsviertel gelegenen Kaffeehaus, in das die Gäste oft nur auf ein paar Minuten eintraten, und in dem jeder Eile hatte oder doch wenigstens merken lassen wollte, nicht weiter auf.
Demba blickte sich um, musterte das Gelände mit den Augen eines Feldherrn, verwarf einen Tisch in der Nähe der Kasse als für seine Zwecke ungeeignet, lehnte den Vorschlag des Kellners, der ihn mit einladender Handbewegung pantomimisch auf eine Reihe vorzüglicher Sitzgelegenheiten aufmerksam machte, wortlos ab, und entschied sich schließlich für einen Tisch in einem Winkel des Lokals zwischen zwei Kleiderständern.
Der Kellner kam mit einem Bückling heran.
»Befehlen der Herr?«
»Ich möchte etwas essen,« sagte Stanislaus Demba. »Was haben Sie?«
»Portion Salami vielleicht. Schönes, kaltes Rostbeaf wär' da!«
Stanislaus Demba schien zu überlegen.
»Ham and eggs, wenn etwas Warmes nehmen wollen,« empfahl Franz in der höflichen Art Wiener Kellner, die sich lieber die Zunge abbeißen würden, als daß sie es übers Herz brächten, den Gast wie irgendeinen gewöhnlichen Sterblichen mit »Sie« anzusprechen.
»Ham and eggs, Portion Salami, Portion Rostbeaf, zwei Eier im Glas –,« rekapitulierte er nochmals.