Zuerst blickte Jürgen mit zugekniffenen Augen mißtrauisch seitwärts, wie einer, der sich vergewissern will, ob er nicht beobachtet wird. Langsam richtete er sich auf. Die Hand wurde auf der Tischplatte zur Faust. Auf der Stirn entstand die Energiefalte. So saß er, reglos, alle Muskeln gespannt, plötzlich ganz erfüllt von dem Entschlusse, mit der Niederschrift seines seit langem geplanten Lebenswerkes ‚Volkswirtschaft und Einzelseele‘ zu beginnen. „Das ist meine Rettung.“ Freude rötete sein Gesicht.

Und wie er den Kopf hob, sah er auf der gegenüberstehenden Wand ein winziges, höhnisches Lächeln.

Senkte sofort den Kopf. Durch dieses Werk werde ich zu meinem kleinen Teile dem Fortschritt und der Erkenntnis der Menschheit dienen können, dachte er, schielte zur Wand, wo wie ein Bild das höhnische Lächeln hing.

„Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß ich Ihr tönendes, tiefes Gefasel über Moral, Gerechtigkeit, Humanität, Ideal und Seele in bezug auf die Volkswirtschaft nicht zulassen, sondern während der Niederschrift mit einer Hartnäckigkeit ohnegleichen immer wieder darauf hinweisen werde, daß es sich um die Moral und die Gerechtigkeit der herrschenden Klasse, der Nutznießer des bestehenden Produktions- und Verteilungssystemes handelt, welches den entscheidenden mörderischen Einfluß hat auf das Wesen und das Sein, das Kranksein und das Nichtsein auch der Einzelseele.“

Jürgens hervortretende Augen starrten rettungsuchend umher. Schlaff geworden, sank er in die Kanapeecke. „Keine Möglichkeit der Hingabe? Ich sehne mich so sehr danach.“

„Diese Sehnsucht entspringt schon dem Konflikt, der Sie ins Irrenhaus bringen wird.“

„Ich will, ich will zurück zu mir ... Ich fühle, ich fühle ...“

„Sie ... denken Gefühle. Sie können weder vor- noch rückwärts.“

„Eine tote Mitte? Das halte ich nicht aus. Ich werde wahnsinnig.“

„Wahnsinnig! Sie sind gestellt.“