„Weder – noch!“

Da wurden die drei Beamten von einem Knall in die Höhe gerissen: Jürgen hatte das Tintenfaß durch das zerbrechende Fenster hinunter in den Lichthof geschleudert. Ein Tintentropfen rollte langsam an der Stirn herunter, am tobsüchtig glotzenden Auge vorbei, über die dicke Backe.

„Wenn Sie solche Sachen machen, zieht man Ihnen ja die Zwangsjacke an. Nun sind Sie selbst aber schon eine Zwangsjacke von Ihrem Selbst. Sie würden also über die Zwangsjacke eine Zwangsjacke angezogen bekommen. Bedenken Sie, welch entsetzliche Hilflosigkeit.“ Die Stimme hatte vorwurfsvoll und dabei sehr milde geklungen.

„Jawohl, da ist es schon besser, ich gehe wieder“, sagte Jürgen und griff nach seinem Hute. Die zwei jungen Beamten machten unabgewandten Blickes mit den Beinen einander aufmerksam.

Von einer fremden, hinter seinem Rücken stehenden Macht wurde Jürgen durch die Straßen geschoben zum Nervenarzt.

Bein übergeschlagen, beide Ellbogen so auf die Sessellehnen gestützt, daß die gefalteten Hände und das Kinn vor der Brust zusammentrafen, hörte der schweigende Neurologe dem Patienten zu. Und Jürgen empfand Dankbarkeit diesem Manne gegenüber, der offenbar alles schon zu wissen schien und sich dennoch alles erzählen ließ.

„Na“, unterbrach der Professor und schnellte, ein abschließendes, vertrauenerweckendes Lächeln im Gesicht, vor, griff nach Jürgens Puls. Der Sprungdeckel des goldenen Chronometers gab mit einem beruhigenden Knacken das Ziffernblatt frei. Die Arztaugen blickten zur Decke.

Das Herrchen saß schwarz auf dem Tintenfaß aus schwarzem Marmor und schüttelte verneinend und mitleidig das Köpfchen.

„Und jetzt die Zunge!“ Jürgen streckte die Zunge heraus.

„Sie sind vollblütig und haben leider trotzdem, ich sage es Ihnen auf den Kopf zu, täglich Suppe gegessen, Fleisch, auch Eier! Stimmt das?“