Seit einem halben Jahr, solange er in Dresden war, tanzte Oldshatterhand mit aller Leidenschaft jeden Sonntag, wenn das Geld reichte, bis in den frühen Morgen hinein. Seine Wangen waren fahl und seine blauen Augen ungewöhnlich groß geworden. Oft schmerzte ihn die Brust; er wuchs rapid, was eine günstige Veränderung seiner Sprechorgane zur Folge zu haben schien, denn er stotterte nicht mehr.

Am Arm geleitete er seine Dame zum Tisch zurück und stand steif. „Gestatten Sie vielleicht, daß ich mich zu Ihnen setze? . . . Ich würde mich sehr freuen.“

Sie wischte sich mit dem Handrücken die trüben Schweißperlen von der Stirne. „Bitte, wenn’s Ihnen so gräßlich freuen tut.“

„Darf ich Ihnen mein Taschentuch anbieten, mein Fräulein?“

Von ihr zusammengeknäuelt, verschwand Oldshatterhands Taschentuch vollkommen in der Riesenhand; sie wischte sich übers Gesicht, über den Mund weg, daß die Unterlippe weit mit hinuntergezogen wurde und die breite, feuchte, zartrosa Fläche des Lippeninnern sichtbar wurde, und fragte zwinkernd, ob er immer so galant sei.

Er verbeugte sich stumm. Oldshatterhand hatte ein hellgelbes Röckchen an, dessen Ärmel ihm viel zu kurz waren und dem er auch sonst stark entwachsen war. Seine braunen Haare über der hohen Stirne standen zu Berge. Die langen, feingliedrigen Finger unter dem Tisch ineinander verkrampft, fragte er: „Würden Sie mir erlauben, daß ich Sie nach Hause begleite, mein Fräulein?“ Und tief erschrocken setzte er hinzu: „Sie dürfen nicht denken . . . ich wollte Sie nicht beleidigen.“

Sie hielt Oldshatterhands Taschentuch vor den Mund und lugte darüber hinaus auf ihn. „Heute geht’s nicht. Ich schlafe ja heute nacht im Zimmer meiner Gnädigen. Sie ist eben nicht ganz gesund . . . Heute nicht. So ist es eben.“

Er starrte die Köchin an und lachte „Hi! hihiha!“ plötzlich sein irrsinniges Lachen.

„Auf zur Damenwahl!“ rief der Tanzordner. Und die Köchin verneigte sich vor Oldshatterhand.

Tags darauf, es war noch ein Feiertag, blieb Oldshatterhand auf dem Wege zum Tanzsaal vor dem Museum stehen. Ein Diener in Livree stand da. Wagen hielten vor dem Hause, Fremde stiegen aus und gingen hinein.