„Jau“, winkte der Wirt ab, „die alte G’schicht . . . Grüß Gott, meine Herrn.“ Die Hände auf die Stuhllehne gestützt, sah er lächelnd auf die Räuber hinunter. Verächtlich zuckte er noch einmal mit dem Kopf seitwärts zum Fischer hin: „Die alte G’schicht! . . . No, Herr Vierkant, wo is denn der Vater. Der hat sich a scho lang nimmer bei mir seh lass.“
Oldshatterhand schüttelte verlegen den Kopf. „Ich weiß nit, wo er is.“
„Ein guter Tropfen“, sagte der bleiche Kapitän, zwang sich, gleichgültig zu trinken, und stülpte die nassen Lippen nach außen.
Der Wirt lächelte. „No, Herr Widerschein.“ Er legte dem Schreiber die Hand auf die Schulter.
„Mei Vater is daheim und arbeit, weil er so viel zu tun hat“, sagte der Schreiber sehr schnell.
„So, so . . . No, lasse Sie sich’s nur schmeck, mitnander . . . Gretl! ’n Herrn Widerschein sei Glas is leer“, sagte der Wirt und ging nach hinten zu seinem Schanktisch.
Die verlegenen Räuber wagten nicht, einander anzusehen. „Beim ‚Lochfischer‘ müssen wir Stammgäst werden“, sagte der bleiche Kapitän. Alle stimmen freudig zu. Plötzlich verstummt, blickten sie zur Tür. Ein eleganter Handlungsreisender aus Berlin war eingetreten; er schlug die Hacken zusammen gegen die Wirtin, gegen den Fischer, gegen Herrn Hieronymus Griebe, gegen den Räubertisch und fragte: „Hören Sie mal, kann man hier Fische bekommen? Gibt es hier Fische? Frische Fische?“
Der rote Fischer wandte sich schwerfällig um, sah den Berliner an, deutete auf einen Stuhl: „No, da setze Sie sich nur erst amal, Fisch kriege Sie dann scho, soviel Sie brauche“, und wandte sich zurück zum Tisch.
Der Schreiber deutete auf die Schuhe des Berliners. „Die hab ich ihm erst heut früh gebracht. Sohle und Absätz aufrichten“, flüsterte er. „Der Herr kommt jedes Jahr einmal nach Würzburg, und da läßt er sei Schuh bei mein Vater mach.“
Der Berliner stand noch, auf gespreizten Beinen, die Hände in den Hüften, und betrachtete das rote Herz der Mutter Gottes an der Decke, sah sich erstaunt um, rief dem Wirt erfreut zu: „Enormjemütlich!“ und las laut den gerahmten Spruch an der Wand: