1896
1,73
Die Zusammenstellung zeigt mit Ausnahme von Amerika überall eine Abnahme der Zahl der Dienstboten, und die Zunahme in Amerika fällt auch nicht schwer ins Gewicht, weil der Prozentsatz von 1880 ein ungemein niedriger war und der wachsende Reichtum eines Teils der Bevölkerung eine Steigerung im Gefolge haben mußte. Das Bild dürfte sich wesentlich verschieben, sobald die Ergebnisse der Zählung von 1900 vorliegen, denn das Verhältnis der Zahl der Dienstboten zur Bevölkerung hängt nicht nur von deren pekuniären Lage, von der Lust oder Unlust der Mädchen zum Dienen ab, sondern sehr wesentlich auch von dem Umstand, welche Arbeitsgebiete die Hauswirtschaft umfaßt. Je mehr sie, wie es z.B. in England und Frankreich besonders deutlich sichtbar ist, zusammenschrumpfen, desto mehr werden die Dienstboten abnehmen. Dagegen werden sich die für gelegentliche Dienstleistungen benötigten außer dem Hause wohnenden Hilfskräfte vermehren. Sie standen in folgendem Verhältnis zur Bevölkerung:
Länder
Zählungsperiode
Auf 100 Personen
der Bevölkerung kamen
außerhäusliche Dienstboten
Deutschland
1882
0,26
1895
0,35
Oesterreich
1880
--
1890
0,32
England und Wales
1881
0,47
1891
0,55
Diese Tabelle giebt nun aber keineswegs genau den richtigen Stand der Dinge an, nicht nur, weil der Begriff der diesem Beruf Zugehörigen ein sehr unbestimmter ist,—deshalb mußten die Zahlen für Frankreich und die Vereinigten Staaten ganz fortgelassen werden,—sondern weil sicher viele hierher Gehörige unter "Lohnarbeit wechselnder Art", "Tagelöhner" etc. einbezogen worden sind. Eine starke Vermehrung hat auch die Zahl der Kellnerinnen und Hotelbediensteten erfahren, die sich aber nur für Deutschland feststellen läßt, wo sie 33 % beträgt. Es kann aber auch im allgemeinen eine erhebliche Zunahme des Hotel- und Restaurant-Personals angenommen werden, sie ging Hand in Hand mit der Abnahme der Dienstboten und beweist auch ihrerseits, daß der Privathaushalt zu Gunsten des öffentlichen im Rückgang begriffen ist: Das Leben außer dem Hause ist für einen großen Teil der Bevölkerung immer mehr in Aufnahme gekommen.