Als allgemeine Ergebnisse unserer bisherigen Berechnungen läßt sich feststellen, daß die proletarische Frauenarbeit im allgemeinen in rascherem Tempo zugenommen hat, als die Männerarbeit und viel schneller gewachsen ist, als die weibliche Bevölkerung. Nur in Zeiten wirtschaftlichen Niedergangs kann von einem Verdrängen der männlichen Arbeiter die Rede sein. Unter normalen Verhältnissen zeigt sich dagegen, daß durch die Entwicklung der proletarischen Arbeitsgelegenheiten, besonders in der Industrie, die männlichen Arbeitskräfte großenteils erschöpft wurden und die Heranziehung weiblicher unausbleiblich ist. Sie erfolgt in um so stärkerem Maße, als Frauen zur Verfügung stehen. Bis jetzt allerdings bedeutet dieses Nachrücken der weiblichen Reservearmee zugleich ein Einrücken in untergeordnete Stellungen und Betriebsarten. Eine wirtschaftliche Entwicklung in nur annähernd ähnlichem Tempo wie die jetzige vorausgesetzt, ist aber nicht nur auf ein weiteres numerisches Wachstum der Frauenarbeit, sondern auch auf ihr Emporsteigen zu höherem wirtschaftlichen Wert zu rechnen. Das Wachstum an sich ist als nichts Unnatürliches anzusehen oder zu beklagen, es liegt vielmehr durchaus auf dem Wege normaler Evolution. Die schweren Schäden, die sie mit sich bringt, sind nicht die Folgen der Frauenarbeit überhaupt, sondern vielmehr die Folgen der Arbeitsorganisation und der Arbeitsbedingungen.

Aber nicht nur die Frage des Wachstums der Frauenarbeit und ihrer Position innerhalb der allgemeinen proletarischen Arbeit bedurfte eingehender Erörterung, auch ihre Verteilung auf die Berufsarten ist von ganz besonderem Interesse, und zwar wesentlich im Hinblick auf die Industrie. Folgende Zusammenstellung derjenigen Berufsarten, in denen die meisten Frauen beschäftigt sind, giebt Aufschluß darüber:

Die wichtigsten Frauenberufe in der Industrie.470

Gewerbearten
Deutschland
Oesterreich
England u. Wales
Vereingte Staaten
Frankreich
Belgien

Zahl der Arbeite-
rinnen
Von 100 Arbeitern beiderlei Gesch- lechts sind weibl.
Zahl der Arbeite-
rinnen
Von 100 Arbeitern beiderlei Gesch- lechts sind weibl.
Zahl der Arbeite-
rinnen
Von 100 Arbeitern beiderlei Gesch- lechts sind weibl.
Zahl der Arbeite-
rinnen
Von 100 Arbeitern beiderlei Gesch- lechts sind weibl.
Zahl der Arbeite-
rinnen
Von 100 Arbeitern beiderlei Gesch- lechts sind weibl.
Zahl der Arbeite-
rinnen
Von 100 Arbeitern beiderlei Gesch- lechts sind weibl.

Kleider- und Wäschekonfektion
27453
83,38
59923
93,58
38812
95,83
304303
98,08
976161
88,50
44324
66,06

Schneiderinnen
61480
31,66
43678
35,72
82667
48,89
63809
34,42

Näherinnen
97979
100,00
257408
98,80
146043
97,33

Putzmacherinnen
16517
98,33
7388
89,04
60087
99,35

Korsettnäherinnen
5663
88,80
--
--
5800
88,78