»Im Grunde habe ich ja auch nur für Sie gesprochen —,« es war der teilnehmende Blick eines Freundes, mit dem er mir bei den Worten in die Augen sah, — »ich bin so gewohnt, Sie stark zu sehen, daß mir Ihr Kummer förmlich weh tat.«

Er begleitete uns bis nach Haus. Mein Mann weihte ihn in unsere Pläne ein.

»Und Sie sind einverstanden? Sie wollen am Ende gar mittun?!« wandte er sich an mich.

»Mit allen Kräften, — gewiß!« antwortete ich. »Was können Sie dagegen haben, nach all den Gedanken, die Sie heute über den Sozialismus entwickelten.«

»Ich mag Sie mir nicht vorstellen, — auf dem Drehschemel vor dem Redaktionspult, — die Schmierereien anderer Leute korrigierend. Sie gehören ins achtzehnte Jahrhundert —«

»Gewiß! An die Seite der Madame Roland —!« unterbrach ich ihn rasch.

Nach und nach erwärmte er sich für unseren Gedanken. »Mit all dem Kleinbürgerlichen, Philiströsen in Ihrer Partei werden Sie gründlich abrechnen müssen,« meinte er im Laufe des Gesprächs, »weite Horizonte geben, die über den Misthaufen des Nachbarn hinausgehen.« Und er verbreitete sich über die Stellung der Partei zur auswärtigen Politik.

»Hier trennen sich unsere Wege, lieber Professor,« sagte mein Mann. »Sie werden kaum erwarten, daß ich als Sozialdemokrat auf diesem Gebiet Ihre Wandlungen mitmache.«

»Wandlungen?! Wieso?!« ereiferte sich Romberg. »Es entspricht der Konsequenz meiner Entwicklung, daß ich für den Kolonialbesitz Deutschlands eintrete und demzufolge für die Flottenvorlage agitiert habe. Traurig genug, daß ihr Sozialisten euch, scheint es, erst belehren lassen werdet, wenn ihr die Macht im Staate habt! Das ist, — verzeihen Sie, liebe Freundin! — der unglückselige feministisch-sentimentale Einschlag in der Sozialdemokratie, der sie für die notwendigen, großen, — wenn Sie wollen — grausamen Forderungen der Kultur blind und taub macht. Der Kampf um die Macht ist die Bedingung unserer Entwicklung. Die Frage, die uns die Weltgeschichte stellt, ist einfach die: soll uns die Erde gehören oder den Negern und den Chinesen? Die Antwort scheint mir nicht zweifelhaft.«

Ich sah empört zu ihm auf: »So sind Sie für das Chinaabenteuer mit all seinem Gefolge von Hunnentum und für die Kolonialkriege mit all ihrer Unmenschlichkeit?! Das heißt doch nicht, Forderungen der Kultur erfüllen, sondern die Kultur preisgeben, die wir haben!«