Von einer meiner Versammlungen war ich fast stimmlos zurückgekehrt.
»Sie dürfen weder in Rauch noch in Staub sprechen,« sagte der Arzt wie schon einmal vor Jahren.
Ich lachte ihm ins Gesicht, ließ mir den Hals ein paarmal einpinseln und fuhr nach Schlesien. Mit äußerster Anstrengung gelang es mir, noch zwei Reden zu halten. Dann versagte die Stimme ganz.
Jetzt erklärte der Arzt, daß ich sobald als möglich fort müsse: »In gute reine Luft, am besten ins Gebirge.« Ich schüttelte den Kopf. Wie konnte ich an eine Sommerreise denken?!
»Die Gesundheit geht allem anderen voraus,« sagte mein Mann, »heute noch kannst du packen und morgen in den Alpen sein.«
Die Frage, ob solch eine Reise möglich wäre, schien ihn keinen Augenblick zu beunruhigen.
»Ich kann den Kleinen nicht wochenlang allein lassen —,« wandte ich ein.
»Natürlich: Ottochen nimmst du mit,« antwortete Heinrich ohne Besinnen, »auch diesem Stadtpflänzchen wird das Landleben gut tun.«
Um jene Zeit war mein Schwager Erdmann gestorben. Meine Mutter kam mit Ilse nach Berlin zurück. Ich erschrak, als ich sie sah. Jetzt erst war sie wirklich alt geworden, unauslöschlich hatten sich die Falten der Verbitterung um ihre Mundwinkel eingegraben. Zwischen ihre fest aufeinandergepreßten Lippen kam kein Laut der Klage. Aber wenn Ilse neben ihr stand in all ihrer strahlenden Jugend, mit den Augen, die sehnsüchtig die Sonne suchten nach all dem monatelangen Leid, dann fühlte ich die ganze Qual dieses Zusammenlebens.
Sie kamen häufig allein zu mir, und ich mußte immer wieder zwischen ihnen vermitteln. Endlich faßte ich den Mut, der Mutter ehrlich meine Meinung zu sagen: