Überrascht sah ich ihn an.

»Ich kandidiere als Vertreter der Arbeiterpartei für das Parlament,« fügte er mit einem Aufleuchten in den hellen Augen hinzu.

Ich drückte ihm die Hand.

Er schien einen Ausdruck größerer Freude erwartet zu haben. »Haben Sie das Kettenbrechen bereut?!« fragte er zweifelnd.

»Nein, lieber Freund,« antwortete ich mit starker Betonung, »nein! Ich erinnerte mich nur der wunden Hände, die es kostet.«

Am nächsten Morgen sprach ich John Burns auf der Themseterrasse des Parlaments. Mir schien, als sei es gestern gewesen, daß er mir auf den Marmortisch die Situation der deutschen Sozialdemokratie aufgezeichnet hatte.

»Habe ich nicht recht behalten?« fragte er im Laufe des Gesprächs.

»Nicht ganz,« entgegnete ich; »der Druck von außen preßt uns zwar zusammen, aber er hindert nicht nur die Wirkung über seinen Ring hinaus, er trägt auch dazu bei, daß wir unsere Kräfte im gegenseitigen Kleinkrieg verzetteln.«

»Sie übertreiben,« meinte er leichthin. »Jeder Kampf ist Leben und weckt Leben! Sie sind wie der Akteur auf der Bühne, der das Ganze nicht übersehen kann, während wir, die Zuschauer, von fern mit unserem Opernglas Handlung und Szenerien begreifen. Der deutsche Revisionismus siegt nicht nur, — er hat schon gesiegt.«

Ich lächelte ein wenig von oben herab zu seinen apodiktischen Sätzen und lenkte die Unterhaltung auf sein eigenes Wirken.