»Er würde die Geister scheiden, wie nichts zuvor —,« ergänzte enthusiastisch ein anderer.

»Sie glauben wirklich, daß das Ziel des allgemeinen Wahlrechts für den preußischen Landtag solch weltbewegende Kräfte entfesseln könnte?« fragte ich. Mein Spott rötete die Gesichter der Begeisterten noch mehr.

»Und gerade Sie waren vor einer Stunde bis zur Stummheit ergriffen!« meinte vorwurfsvoll mein Nachbar.

»Ich bin es noch,« antwortete ich; »mir war, als hätte ich wirklich den Flügelschlag der neuen Zeit gefühlt. Ich fürchte nur, sie rauscht an uns vorüber.«

»Das aber liegt doch an uns!« rief über den Tisch herüber ein jungem Literat, der darauf brannte, sich die politischen Sporen zu verdienen. »Wir müssen sie fest halten, wir müssen das Eisen schmieden, solange es warm ist.«

»Womit, wenn ich fragen darf?« —

Die Antworten schwirrten von allen Seiten durcheinander: »Durch die Aussicht auf eine wahrhaft liberaldemokratische Ära,« — »auf wirtschaftliche Reformen großen Stils,« — »Verminderung der Steuern,« — »der Militärlasten,« — »Trennung von Kirche und Staat —«

»Lauter Einzelforderungen, die große, heute noch indifferente Massen kaum begeistern, die heterogene Elemente nicht zusammenschweißen werden, die, vor allen Dingen, kein sicher wirkendes Scheidewasser sind,« sagte ich ruhig.

»So nennen Sie es, wenn Sie es wissen!«

Ich sah mich scheu im Kreise um. Sobald ein Gespräch Fragen berührte, die mir sehr nahe gingen, überkam mich oft eine gewisse verlegene Unbeholfenheit. »Stünde ich vor einer Volksversammlung, so würde es mir leichter werden als vor all Ihren forschenden, erwartungsvollen und — lächelnden Mienen,« meinte ich.