»Er schickt Sie?« Ihre Stimme hatte einen merkwürdig leblosen, kalten Ton, als käme sie weit her aus dunkler Tiefe.

»Nein! Ich reiste ohne sein Wissen. Wir Frauen, meine ich, werden uns verständigen, — mit einigem guten Willen natürlich, — denn zwischen uns steht nichts —«

»Meinen Sie wirklich, daß zwischen uns nichts steht?!« Ein Blick voll Haß streifte mich. »Meine Kinder stehlen Sie mir!«

»Ich?! —« Aufs Äußerste erstaunt sah ich sie an. »Ich, die ich sie Ihnen wiederbringe?!« Aber sie hörte nicht auf mich. In leidenschaftlicher Erregung kamen die Worte, sich überstürzend, von ihren Lippen: »Habe ich nicht in diesem letzten Sommer tagtäglich hören müssen: ›Die Mama erlaubt das alles, — die Mama straft uns nicht, — die Mama schenkt uns dies und jenes‹?! Und jetzt soll ich vielleicht erleben müssen, daß meine eigenen Kinder sich fort wünschen von mir? Oder jedesmal unzufrieden heimkehren, wenn sie, wie ihr Vater es wünscht, zu den Ferien in Berlin gewesen sind?!«

Ich verstand sie, — so hatte ich auch ihr unbewußt Böses getan! »Sie wissen, mein Mann hat für das erste Jahr schon auf ein Wiedersehen verzichtet,« antwortete ich.

»Das ist aber auch das Allermindeste, was ich verlange! Im übrigen —,« sie nahm wieder den alten eisigen Ton an und zwang sich zur Ruhe, »muß ich umziehen, ehe die Kinder kommen. Sie sehen hier meine Wohnung —,« sie wies nach dem Eßzimmer nebenan, »ich habe keinen Platz für sie.«

Keinen Platz für die eigenen Kinder?! Sie schien zu fühlen, was ich empfand, denn rasch fuhr sie fort: »Ich wünsche, daß die durch Unordnung sowieso schon genug geschädigten Buben gleich in ein regelmäßiges Leben, eine zu ernster Arbeit gestimmte Häuslichkeit kommen.«

»Und wann, meinen Sie, dürfte das sein?« Drängte ich. »Die Situation ist für alle Teile unerträglich!«

Sie lächelte: »Finden Sie? Ich habe Schlimmeres ausgehalten!« Tiefe Falten gruben sich auf ihre Stirn, um ihre Mundwinkel. Wieder streifte mich ein Blick, — zum Fürchten. »Warten Sie nur, bis Sie fünf, sechs Jahre mit ihm gelebt haben werden!«

Ich erhob mich, — fast wäre der geschnitzte Stuhl bei meiner raschen Bewegung zu Boden geglitten. Hier hatte ich nichts mehr zu tun. Sie geleitete mich hinaus. Und als müßte sie mir zuletzt noch ihren Haß fühlen lassen, sagte sie: »Ich werde schwere Mühe haben, — die Kinder sind zu schlecht erzogen.«