»Ich habe sie mir gekauft,« log ich, »man muß auch seine Gegner aus ihren eigenen Schriften kennen lernen.«

Mein Vater nahm wütend die Blätter vom Tisch und zerriß sie. »Bring mir solche Schweinereien nicht wieder ins Haus!« drohte er mit erhobener Faust. »Von Leuten, die das Vaterland verraten, den Meineid predigen und den Fürstenmord, darf meine Tochter nicht einmal einen Fetzen Papier in Händen haben!« Und wütend warf er die Tür ins Schloß.

Am nächsten Vormittag besuchte uns Egidy. Den Zylinder in der Hand, in militärisch strammer Haltung wie zu einer dienstlichen Meldung stand er vor meinem Vater.

»Die Wohltat, die Eure Exzellenz mir in Brandenburg erwiesen, rechne ich zu den höchsten Empfindungen inneren Glücks, die mich bisher in meinem Leben beseelten. Euer Exzellenz Worte sind — ich sage nichts, als was ich fühle, — die größten, die an mich heran klangen, seit ich tat, was mir Pflicht schien.« Scharf und bestimmt sprach er, und dann erst wandte er sich zu meiner Mutter und mir.

»Darf ich Ihnen meine Töchter bringen?« frug er mich. »Es sind brave Kinder, die alles tapfer mit mir getragen haben und doch wehmütig empfinden, wie sie aus ihrer Bahn gerissen wurden.« Ich reichte ihm die Hand.

»Selbstverständlich, Herr von Egidy! Was ich den Ihren sein kann, will ich mit Freuden sein,« antwortete ich.

»Und darf ich nicht nur auf Ihre Freundschaft, sondern auch auf Ihre Mitarbeit rechnen?« Er streckte mir noch einmal die Hand entgegen.

Ich legte die meine zögernd hinein: »Auf meine Freundschaft, ja! Meine Mitarbeit aber kann ich Ihnen noch nicht versprechen!«

Sein Blick verfinsterte sich. »Ihr Herr Vater ehrt die Überzeugungstreue ...« sagte er mit Betonung.

»Und ich werde meiner Überzeugung zu folgen wissen!« entgegnete ich gereizt.