»Seit meinen kriegerischen Erfahrungen im Bergwerksbezirk war mir nicht mehr wohl im bunten Rock —« antwortete er, während sein Blick sekundenlang peinlich überrascht zwischen Georg und mir hin und her flog — »und die neu eröffnete Aussicht, gelegentlich einmal auf Eltern und Geschwister schießen lassen zu müssen, hat meinen militärischen Ehrgeiz auch nicht wesentlich steigern können. — — Ich habe einen Bruder in Java, — dorthin will ich. Eigentlich auch kein erstrebenswertes Ziel! Aber — was soll man tun —, wenn man den Mut nicht aufbringt, unter die Roten zu gehen!«

»Dann ist Ihre Wahl sicherlich die beste,« sagte Georg mit feindseliger Schärfe. Rote Flecken brannten ihm über den Backenknochen.

Sichtlich verletzt, erhob sich Hessenstein. In dem Wunsch, gut machen zu wollen, was Georg verfehlt hatte, war ich doppelt herzlich.

»Vielleicht treffen sich unsere Wege doch einmal wieder! Möchten Sie recht, recht glücklich werden« — damit reichte ich ihm beide Hände. Er senkte tief den Kopf darauf. »Ich danke Ihnen!« flüsterte er bewegt.

Kaum war er fort, als Georg mich zu sich rief. Sein Kopf glühte — seine Hände waren heiß.

»Du fieberst!« rief ich erschrocken.

»Mir war schon diese Nacht nicht recht wohl, — ich wollte nur heute die Universität nicht versäumen —« ein harter Husten ließ ihn verstummen. »Aber es ist nichts, Kindchen, nichts, — ein Katarrh vielleicht!« Wieder eine Pause. — »Komm einmal her zu mir, Liebling, — ganz nah —« ich kniete neben ihm — sein rascher, heißer Atem berührte mein Gesicht — »du — du — liebtest wohl jenen Hessenstein?«

»Georg!!« Mir stieg das Blut in die Schläfen. »Wie kommst du darauf?«

»Ihr — ihr saht euch an — wie — wie Menschen, die zusammen gehören!«

Lächelnd drückte ich meine Wange an seine schmalen Hände. »Nie — Georg, — nie — gehörten wir zusammen!« meine Augen richteten sich klar auf ihn. »Und wenn es gewesen wäre, — bin ich heute nicht dein — nur dein?!«