Sie hatte nur wenige Kinder um sich gehabt; jetzt kamen immer mehr an sie heran, bis sich ein dichter Kreis gebildet hatte; über den Kinderköpfen schauten auch einige alte mit Wohlgefallen auf sie, als sie begann:
„Als es zum erstenmale Pfingsten wurde im deutschen Lande, da jubelte die ganze Erde. Im Walde bewegten die Birken ihre grünen Fähnchen, mit feinen, langen Kätzchen behangen; die Buche schmückte ihren weißen Stamm mit hellgrünen Kränzen, und die zierlichen Maiblumen läuteten, daß es eine helle Lust war!
„Aus den Büschen klang die Stimme des Buchfinken und der Nachtigall; der Pfingstvogel im gelb und schwarzen Röcklein ließ seinen Lockruf ertönen; der Kuckuck rief Tag aus und Tag ein, und die Lerche stieg aus der Furche gerade zum Himmel hinauf: ‚Tirrerillerie! Tirrerillera! Pfingsten, das schöne Pfingsten ist da!‘
„Im Garten zogen die Blumen ihre allerschönsten Kleider an; die Tulpen schmückten sich mit allen Farben; glänzend weiß standen die Narzissen; der Flieder hing seine großen, blauen Trauben aus, der Goldregen seine gelben; ja, sogar eine Rose öffnete schon ihre Knospe: es ist ja Pfingsten, da möchte ich dabei sein! Am Bache standen die Vergißmeinnicht und wuschen sich, um ganz schön himmelblau zu sein zu Pfingsten. Auf der Wiese standen ein Gänseblümchen und eine Butterblume nebeneinander, als am Pfingstsonnabend die Sonne unterging. ‚Weißt du es schon‘, sagte die Butterblume, ‚morgen ist Pfingsten.‘ ‚Ich weiß!‘ sagte das Gänseblümchen, ‚die Menschen sagen, es sei das schönste Fest, denn da sei der Geist des Trostes und des Friedens auf die Erde gekommen. Sieh nur, wie die Blumen im Garten sich putzen!‘ ‚Ich möchte mich auch schmücken‘, sagte die Butterblume, ‚aber ich weiß gar nicht, wie ich es anfangen soll.‘ ‚Ich habe mich schon im Abendtau gebadet, aber klein bin ich und klein bleibe ich‘, seufzte die Gänseblume.
„Die Sterne zogen auf; Butterblume und Gänseblümchen hatten sonst längst um diese Zeit ihre Blättchen oben zusammengeschlossen und schliefen; — heute wollte ihnen der Schlaf nicht kommen. Sie sahen zu den leuchtenden Sternen auf und sprachen: ‚Ihr schönen, goldenen Sterne! wir wollten gern schön werden, dem Pfingstfest zu Ehren; könnt ihr uns nicht dazu helfen?‘
„Die Sterne sahen freundlich herunter und die Blümchen sahen sehnend hinauf, und erst als die Sterne blaß wurden und ein kleines Streifchen Morgenrot am Himmel erschien, da schliefen die Blümchen ein, und als am anderen Morgen die Sonne sie weckte, da sahen sie sich an und sahen sich wieder an, denn aus der Butterblume war eine runde, volle, süß duftende Pfingstrose geworden, und aus dem Gänseblümchen eine prächtige Sternblume. Da weinten und lachten sie vor Freude, daß die Sterne ihnen auch ein so schönes Pfingstkleid beschert hatten. Seitdem kommen und blühen sie immer zu Pfingsten. Gänseblümchen und Butterblumen kommen früher, sobald der Lenz auf die Erde tritt: aber wenn es zu Pfingsten läutet, erwachen die Sternblumen und Pfingstrosen auf den Wiesen, denn die beiden haben viele, viele Kinder bekommen, die feiern alle mit, und Hänschens Strauß gehört auch dazu!“
„Hänschens Strauß gehört auch dazu! Hänschens Strauß gehört auch dazu!“ riefen die Kinder. „Erzähle noch was, erzähle noch was!“
„Ach ich kann nicht immer erzählen; jetzt könnt ihr ein Rätsel raten:
Eine kleine,
Weiße, reine