„Ja,“ brach Margarete plötzlich ab und stand auf, „Sie bleiben also mein Gast, bis der Herzog bestattet ist. Es kann noch eine Weile dauern, die Vorbereitungen sind umständlich.“
„Ich hatte eigentlich vor, die Zwischenzeit in Taufers zu bleiben,“ sagte Agnes; sie war klein und ängstlich geworden, ihre Stimme flatterte.
„Nichts da, nichts da!“ sagte eifrig die Herzogin. „Sie bleiben. Waren Sie und die Ihren nicht schon oft Gäste in Tirol?“
„Denken Sie nicht ans Fortgehen,“ schloß sie, während sie Agnes zur Tür geleitete. „Die Reise würde sehr ungemütlich werden.“ Ein Diener brachte die schwankende Agnes in ihre Zimmer. Gewappnete standen davor, präsentierten die Lanzen, während sie die Schwelle überschritt.
*
Margarete, allein, ging auf und ab, ihr Gang war sonderbar beschwingt, ein plumper Tanz.
Wie schade, daß jene sich so einfach in ihre Hand gegeben hatte. Es wäre gut und reizvoll gewesen, sie erst mühsam herzulocken, den Teig zu kneten, ehe man den Kuchen aß. Aber so waren diese Glattlarvigen. Schön und dumm.
Margarete ging ins Freie, allein. In den verschneiten Weinterrassen stapfte sie, kletterte sie. Setzte sich in den Schnee. Tauchte ihre Hand in das Weiche, Kalte, ballte es, ließ fallen, ballte von neuem.
Sie ganz klein machen, sie zerstören, sie in Staub zerpressen, zernichten, zerdrücken, daß nichts mehr von ihr bleibt als ein lächerliches Stück Verwesung. Sich anfüllen mit ihrer Angst, ihrer Not, ihrem Elend, bis dann ihre Schönheit daliegt, stinkend wie drüben in der Kapelle ihr Sohn.
Als nach einer Weile das dürre Fräulein von Rottenburg kam, hörte sie, was sie seit Jahren nicht gehört hatte. Die Herzogin sang. Mit ihrer dunkeln, warmen, erfüllten Stimme sang sie. Im Schnee saß sie und sang, voll, hallend, aus ihrer wüsten Kehle.