»Das Essen ist gleich fertig!« rief Sophie erhitzt.

Marianne kam auf den Gast zu.

Tomasow, der schon im Pelz, zum Fortgehn bereit, dastand, blickte Cita schweigend an.

Und plötzlich verstand sie, was er meinte, — wen er meinte —. Ihre Entrüstung hielt nicht stand, fast gegen ihren Willen kam Demut in ihre Augen, als sie dem Ehrfurchtheischenden in seinen Augen begegnete. Denn dieser Blick hatte fast etwas Gebieterisches, etwas, was sich ihr eindrücken, einprägen wollte, wie eine Stimme, die deutlich sprach: »Ihr seid die Kleinen, die eine Große großmütig auf ihre Schultern hebt. Eine, die ihre Schultern beugt, damit sie euch tragen kann. Ich weiß das: ich habe geholfen, euch da hinaufzuheben. Nun seht ihr euch die Welt von da oben an!«

»Was, Sie wollen schon gehn?!« fragte Marianne und gab ihm die Hand.

»Ja, ich muß gehn. Und Sie, lassen Sie gefälligst die Suppe auf dem Tisch nicht kalt werden, — nach meiner Berechnung hat sie heute dem jüngsten Fräulein Tochter arge Mühe gekostet. — — Froh bin ich, Sie noch zu sehen. Sie sind aber auch eine entsetzliche Langschläferin, meine Gnädige.«

»Ja, ich habe wirklich geschlafen!« sagte Marianne.

Sie stand lächelnd, mit schlafroten Wangen, wie ein eben aufgewachtes Kind, und mit blinzelnden Augen da, denen das Lampenlicht noch weh that.

An jeder Seite hing ihr jetzt eine Tochter. Sophie hatte ihr einen Arm um die Hüfte geschlungen und sich an sie geschmiegt, sodaß sie nicht vorwärts gehn konnte. Cita schob ihre Hand leise in den Arm der Mutter.

Marianne stand da und strahlte in einer so warmen und innigen Schönheit, daß Tomasow ganz betroffen davon war.