[(15)] Mir hat es sich bisweilen aufgedrängt, daß in Wachträumen sich Übergang vorbereitet zu tätig-produktivem Zustand, wenn der Wunschtext, der meist höchst bewußt zugrundeliegt, mit seinem passiven Realisierungsspiel zur Seite weicht vor einer gewissermaßen formalen Bewältigung seiner Einfälle. Dieser Übergang selbst schert sich dann daran illustrativ zu spiegeln, schafft sich selber gleichsam Sinnbilder, so daß es dabei fast zugeht, wie bei Silberers »funktionalem Phänomen«: nur, anstatt zwischen Wachen und Einschlafen, hier zwischen Wachtraum und Produktion, also nach der anderen Richtung dessen, was uns unserem isolierten Ichbewußtsein enthebt.
[(16)] Hinsichtlich der Psychoanalyse an lebenden schaffenden Künstlern möchte ich glauben, daß man äußerst vorsichtig und streng zweierlei mögliche Wirkungen auseinanderhalten muß: die künstlerisch befreiende, wodurch Hemmungen, Stockungen in den formentbindenden Sublimationsvorgängen beseitigt werden, und eine unter Umständen gefährdende, insofern sie ans Dunkel rühren kann, worin die Frucht keimt. Ob man sich ganz ans Personale, Außerästhetische, halten kann bei tiefer dringender Psychoanalyse, ist kaum zu beantworten bei unserem geringen Wissen um das Zustandekommen schöpferischer Vorgänge.
[(17)] In »Über Trauer und Melancholie« (S. d. kl. Schr. z. Nl. IV) wirft Freud die Frage auf, warum, trotz gewisser Vergleichbarkeit von Melancholie mit normaler Trauer, von Manie mit Frohsinn, wohl der Melancholie Manie folge, nicht aber der Trauer Frohsinn, sondern nur resignierende Gewöhnung, und ob die Allmählichkeit der Gewöhnung an den Verlust das verursache: »Diese Lösung geht so langsam und schrittweise vor sich, daß mit der Beendigung der Arbeit auch der für sie erforderliche Aufwand zerstreut ist.« Außer solchem ökonomischen Gesichtspunkt kommt vielleicht noch in Betracht, daß, während Normaltrauer auf ihren Einzelfall beschränkt bleibt und eben an dem, was noch übrig bleibt, sich zur Resignation ausgleicht, für Melancholie narzißtisch »alles« hin ist, inbegriffen das eigene, sich selbst vernichtende und entwertende Ich, und ebenso der Umschlag in Manie »alles« wiederherstellt, also nicht an Gräber sich gewöhnt, sondern Auferstehungen feiert. Dies würde aufs Stärkste an die narzißtisch-durchsetzten Zustände des poetisch Schaffenden erinnern.
[Anmerkungen zur Transkription:]
Im folgenden werden alle geänderten Textstellen angeführt, wobei jeweils zuerst die Stelle wie im Original, danach die geänderte Stelle steht.
- [Seite 370]:
Mutter = Gebärerin, als auch vom »inzestuosen Sich-eigner-Vaterseinwollen);
Mutter = Gebärerin, als auch vom »inzestuosen Sich-eigner-Vaterseinwollen«); - [Fußnote 7:]
als männlich sein kann. (Intern. Zeitschr. II, 2, 119.)« Das Kriterium des
als männlich sein kann. (Intern. Zeitschr. II, 2, 119.)« »Das Kriterium des - [Fußnote 8:]
Verschiedene Träume aus Knabenzeit gehören hieher; z. B. man ist mit
Verschiedene Träume aus der Knabenzeit gehören hieher; z. B. man ist mit - [Fußnote 10:]
drastisch durchsetzen – Askese gilt nur dem Hineingelangen. Erst den außerhalb
drastisch durchsetzen – Askese gilt nur dem Hineingelangen. Erst dem außerhalb