Dusterer. Kannst es ja beinandlassen; wann d' ein einzigen Armen a Guttat derweist, gilt's für alle! Schau dich halt um, vielleicht findst unter der Hand in einer einzigen Familie a ganz Träuperl Arme beinander, die leicht noch z' neben der christlich Nächstenlieb no a verwandtschäftliche Zuneigung für dich hätten—ja -ja—brauchst etwa gar net weit herumzsuchen, Schwoger—ja—hm—ja, daß ich sag, beispielmäßig, ich und mein Weib und meine fünf Kinder, wir möchten dich schon rechtschaffen pflegen, möchten dir's im Gebet gedenken, a nach dein'n seligen End—ja—ja beispielmäßig!
Grillhofer. Schneid net so h'rum, 's hat ja alls a christlich Absehn und hab ich schon selber dran denkt. Aber in d' Ausnahm gehn, wo andere mit ihnere leiblich Kinder aften nix Guts derlebn, zu Fremde auf Gnoden und Ungnoden!? Net beklagn könnt i mich, heißet's doch gleich: der Narr, was hat er 's unnötig tan? Und von fruher her hot's mir nie taugt, dein Sippschaft zwegn engerer Duckmauserei—na, es is nur, daß ma sich ausdischkariert—ja—ja—därf dich net beleidingen! Jetzt steht's mer ja an, verwahrt war ich schon, wie in ein Kloster, selb weiß ich. Wohl, wohl. Aber ich denk nur so, koan andrer da h'rum tat a so.
Dusterer. Grillhofer—Schwoger—laß dir sagn, tu's oder tu's net. Mir is net um mich. Aber nach die andern mußt net fragn, na, na, nach dö mußt net fragn. Mußt es der Sippschaft net antun, daß ma's derlebt, wir fahreten am jüngsten Tag allzsamm in Himmel und mußten dich zrucklassen und für alle Ewigkeit voneinander. Sorg di um di, laß du nur dö andern in d' Höll abipurzeln. Hihi, laß nur dö abipurzeln!
Grillhofer. Na jo—selb war schon recht, wann's nur net ein oder der andere etwa doch billiger richtet und rumpelt a da obn eine und hernzet mich d' halb Ewigkeit: daß mei Himmel z' teuer war. I möcht nur fragn, ob sich's a auszahlt? Wann no die andern bräver warn -! Bin ich denn so sündig?
Dusterer (fährt empor). Fragst no—fragst no, Grillhofer, ob d' sündig bist?! Solltst nit fragn, Grillhofer, du net, du vor alle andern net—sollst darnach fragn; du bist's—Grillhofer, und schon wie! Beispielmäßig laß dir sagn, auf der Alm im Fruhjahr, wann sich der Schnee ballt, fliegt so a Malefizvogel—meint selber nix Args—vom Astl oba und nimmt sich a Maul voll Schnee—und denkt bloß, er tut sein Schnabel a Guttat, paar Bröckeln rutschen weiter, es wird a Kügerl draus, aus der Kugel a Knödel, aus'm Knödel a Bünkel wie a Fuder Heu, dös torkelt allweil Tal obi, immer größer und größer und raumt 'n Wald mit, haut abi ins Tal und die Lawin is fertig. So a Unglücksvogel bist a du, Grillhofer! (Schenkt ein.) Bist auch du! Frag net, ob d' sündig bist! Denk an die Riesler-Magdalen, was vor fünfundzwanzg Jahr in dein Dienst war, wie mein Schwester, dein Weib, Gott hab s' selig, noch glebt hat, denk an die Riesler-Magdalen, sag ich, dö hast du a ins Kugeln bracht, daß ins Rollen kämma und in die siedige Höll h'neingfalln is und, wer weiß, wieviel Seeln mitgrissen hat! Neamand hat mehr was von ihr derfahrn, die fufzgimal ist s' vom Gricht zwegn einer Erbschaft aufgfordert wordn, verschollen is s' bliebn! Grillhofer, aber am Tag des Gerichts, da wird alles ans Licht zogn, da wird sich herausstellen, was du alles angstellt hast in sündhafter Begehrlichkeit! Grillhofer, wann da Sachen ans ewige Licht kommen, was uns gar net träumt?! Wann's gfragt wird: wer is schuld an deiner armen Seelverderbnus? Grillhofer, Schwoger, nöt um a Million möcht ich da an deiner Stell unbußfertiger vor Gottes Thron stehn, nöt um a Million!
Grillhofer. Hätt ihr doch nachfragn solln!
Dusterer. No wohl—no wohl! Aber hizt is's z' spat, gschehn is gschehn. Ich wollt dir's ehnder net sagn, aber heunt nacht hat mir wieder von ihr traumt, wie s' da gsessen is in ewign Feuer, rundum es höllische Glast! O Jesses, es war schreckbar! Heunt fruh hab ich glei zu meiner Alten gsagt: für dö zwei armen Seelen muß was gschehn.
Grillhofer. Hast recht, dumm is schon, aber hast recht. No hilft nix als fleißig fürbitten. Am End hast doch schlecht gsehn—na ja—na ja—im Feuer und Rauchen verlassen ein'm ja leider die Augen, wird am End gar net dö Höll gwesen sein, sundren nur 's Fegfeuer, wo die Magdalen hast sitzen gsehn?
Dusterer. Beschwörn kunnt ich's net, daß's die Höll war!
Grillhofer. No, so gehn wir's halt an, wär mir lieb, wann's derer armen Seel a z'guten kam! Wann mer wieder a bissel besser is, fahrn mer nach der Kreisstadt, und da mach mir's halt richtig—ja—ja—du ziehst auf'n Hof samt deine Leut, a kleine Probzeit, und ich verschreib dir'n, aber, daß nichts verabsaumt wird!