Liesel kommt über den Steg, sie trägt einen Anzug, der von dem der andern
Dirnen abweicht und zeigt, daß sie aus einer andern Gegend daheim.

Lied

Mit üble Vorsätz geh
Fort aus'm Haus,
Glei schaut die ganze Welt
Anderschter aus!
Bin zeitlich fruh noch fort
Im Morgendunst,
Kenn alle Hund im Ort,
Freundlich warn s'sunst!
Nenn jeden bei sein Nam,
Kenn jeden gnau,
Hizt bellen s'hinter oam:
"Schau, schau, schau, schau!
Da geht d' Horlacher-Lies,
Mit der's net richtig is!
Schau, schau, schau, schau!"
(Jodler ad libitum.)
D' Vögerln, die in der Fruh
Singen so lieb,
Die schrein jetzt ein'm zu:
"Dieb, Dieb, Dieb, Dieb!
Ui, dö Horlacher-Lies,
Mit der's net richtig is!
Dieb, Dieb, Dieb, Dieb!"

(Jodler. Mit einer Gebärde, mit der man Vögel verscheucht, in die Hände klatschend.) Gscht! Nixnutzigs Gfliederwerk, nit wahr is's, so is die Horlacher-Lies net! Freilich hot die Mahm gsagt: hingehst und einschmeichelst dich! Als ob ich a Katz wär! Aber kein Red, dös tu ich net. Aber furt von hoam bin i gern, u mein, wie gern! Jahraus, jahrein kein andern Kirchturm sehn als den von Ellersbrunn, d' schön Zeit über vor harter Arbeit 's Kreuz kaum gspürn und 'n Winter über beim Spinnradl sitzen… oh, du mein Gott, und auf einmal frei h'nausrennen dürfen in die schön grüne, lichte Gotteswelt h'nein—haha, bleibet a Narr hoam! —Jesses und Joseph! Frei kugeln möcht i mich im Heu!

Zehnte Szene

Vorige. Wastl.

Wastl (schon etwas freier sichtbar, ist bei den letzten Worten durch den
Zaun aufgetreten, noch rückwärts), Tu's, Dirndel, ich schau dir gern zu!

Liesel (halb nach ihm gewendet). Wußt ich, du denkst was Unrechts, kriegest mir eine!

Wastl (kommt vor). No wußt i gern, was d' dir denkst, daß i mir denkt hätt, han, Dirndl? (Erkennt sie.) Oh, heilig Mutter Anna, dö is's?!

Liesel. Jegerl, der Wastl!