Auch bei den Verhandlungen über den Verkauf der Herrlichkeit Doorwerth verfehlte William nicht, seinen Rath zu ertheilen, und verkehrte viel darüber mit Kammerrath Melchers, dem rechtskundigen Geschäftsführer der Gräfin. Beiden war unter Anderm die einfache Quittung, welche die Besitzerin von Doorwerth entworfen, nicht genügend; sie kalkulierten und spintisirten so lange, bis sie nachstehenden Zusatz ausgegrübelt hatten, zu welchem die Matrone ihre Einwilligung zu geben durch beider Rathgeber überwiegende Gründe sich bewogen fand.

Additamentum zur Interims-Quittung

in Abschlag des am 3. Sept. jüngst bereits zu entrichten gewesenen ersten Termins von Fünfzig Tausend Gulden Holländisch ausgezahlt und von Uns, reservatis reservandis, und mit dem ausdrücklichen Beifügen in Empfang genommen worden, daß dadurch an Unsern Gerechtsamen und Forderungen nichts praejudicirliches eingeräumet sein soll, die gedachte Cession Unsrer Herrlichkeit Doorwerth und übriger in der Provinz Geldern belegenen Güter auch von selbst wegfallen würde, falls gedachter Unser Herr Enkel die eingegangenen Bedingungen zu erfüllen außer Stande sein oder an dem völligen Abschluß des Vergleichs selbst sich in der Folge sonstige Hindernisse ergeben sollten; in welchen unverhofften Fällen Wir Uns jedoch verpflichtet achten, demselben diese einstweilen ausgezahlte Summe der Zwanzig Tausend Mark Hamburger Banco, nach desfalls zu nehmender Abrede, zurückzuzahlen oder Uns an Unseren aus den Gräflich Aldenburgischen in Deutschland belegenen Gütern zu beziehenden Aliment- und Jahresgeldern successive kürzen zu lassen.

Hamburg den 1. Februar 1795.

In dieser Form wurde die Quittung nach hinlänglich langer Kanzleiverzögerung abgesendet, ohne Rücksicht darauf, daß der erwähnte Enkel als politischer Gefangener und als ein des Handelns in dieser Sache ganz ohnmächtiger Mann in der niederländischen Festung Woerden saß.

Jetzt besaß der Erbherr Doorwerth und besaß es auch nicht.


6. Der Freunde Trennung.


Hollands Loos war gefallen; der Erbstatthalter hatte sich in Scheveningen eingeschifft, sein Sohn, der Erbprinz, hatte die Armee verlassen; Pichegru war mit zehn Bataillonen zerlumpter, ausgehungerter Soldaten, von denen ein Theil in Holzschuhen einherklapperte, oder in Strohsocken leise schritt, in Amsterdam eingezogen. Aber diese erbärmlich aussehenden Soldaten waren Helden, die mit Muth für die Sache der Freiheit kämpften, für die sie nun einmal begeistert waren, die mit eiserner Ausdauer Kälte und Ungemach und jede Beschwerde eines Winterfeldzugs ertragen hatten. Mit solchen Truppen wären Welttheile zu erobern gewesen, warum nicht ein Land, in welchem die Mehrzahl der Bevölkerung den Feind als Freund begrüßte und ihm entgegenjubelte? Und was einzig dasteht in der Weltgeschichte, war geschehen; einige Geschwader, nicht Schiffe, sondern leichte Reiter hatten Hollands stolze Flotte erobert. Denn die Flotte saß im Eise fest und ließ sich nicht träumen, daß Cavallerie den Kampf mit Schiffen unternehmen werde.