Ich will keine! Ich will in meinem Leben an die, die ich droben hatte, gedenken! Die nimmt man auch noch mit in die Hölle! Bin froh, daß ich sie wieder los bin.“ — Da hieß es nun überall: „Dummer Teufel! dummer Teufel!“
Nun spricht aber ein ganz alter Teufel: „Jetzt will ich fort; ich will’s den Weibern wohl anstreichen!“ — Der alte Teufel reiset ab und kommt auf die Erde; da geht er durch einen jungen Birkenwald und sieht von weitem ein Frauenzimmer. Das war eine Witwe, die noch ganz stattlich sah. Er sieht sie sich an, und sie sieht ihn an, und mit höflichen Reden und artigen Widerreden werden sie handelseinig und der Pfarrer nagelt und nietet sie zusammen, so fest wie das Herz nur begehrt. Aber nach der Hochzeit, da sah der Teufel wohl, daß man die Katz’ nicht im Sack kaufen muß und die Witwen nicht freien auf der Landstraße. Die kannte schon den Rummel, da der heilige Ehestand ihr nicht neu war; schmale Kost und Brunnenwasser war das wenigste, da war offner Laden für jedermann, und der Mann mußte nur so zusehen, und ward’s ihm zu arg, wie denn solches Zusehen kein Teufel vertragen kann, so hängte sie ihn an die Wand und ging mit ihren Liebsten zu Biere. Als sie dann zurückkam, nimmt sie ihn herunter und da soll er Mausen lernen, daß man die Katz’ sparen kann. Aber da wird’s dem Teufel zu arg, er läuft fort in den Wald — denn in die Hölle zu gehen, schämt er sich — und will sich Beeren suchen, die sind immer noch besser als Mäuse.
Wie er nun so in den Beeren ist, begegnet er einem Köhler, diesem klagte er seine Not und bat um etwas zu essen. Da sprach der Köhler: „Ja, lieber Alter, ich habe selbsten sieben Kinder und oft keinen Bissen Brot.“ — „Du Köhler, schwarzer Kerl, gib mir einen Rat, wie ich das böse Weib bändige. Ich bitte dich um alles in der Welt, hilf mir!“ —
Der Köhler antwortete darauf:
Ein böses Weib, eine herbe Buß’,
Und weh’ dem, der ein’ haben muß.
Der Teufel denkt: ach, wenn das Ding so klingt, so gehst du lieber wieder heim. Wäre ich doch vom Anfang an zu Hause geblieben! — Er sinnt auf Rache gegen die Weiber und spricht: „He, Bruder! du bist auch arm, ich will dich reich machen, du mußt mir aber folgen.“ Der Köhler spricht: „O ja, reich wäre ich gerne und ich will tun, was du nur haben willst.“ Da spricht der Teufel: „Höre, Bruder Köhler, ich weiß einen König, der hat drei Prinzessinnen, da will ich in die eine fahren und du sollst der Doktor sein. Wenn ich in die Prinzessin gefahren bin, so wird der König einen Aufruf ergehen lassen nach einem Doktor, der Knall und Fall austreiben kann. Da gehst du nun hin zu diesem König und sprichst: ‚Herr König, ich will der Prinzessin helfen, aber ich muß mit ihr in einer Stube ganz allein sein, versteht sich in allen Ehren.‘ Wenn du dann bei der Prinzessin eingelassen wirst, so sprichst du zu mir: Donner und Teufel, fahr’ aus! — öffnest ein Fenster und ich hebe mich von dannen. Das darfst du aber nur zweimal tun, wenn du es dreimal tust, muß ich dir den Hals brechen!“ — Der Köhler fragte: „Auch wenn ich dir eine schöne gute Frau zeige?“ Darauf erwiderte der Teufel: „Wir wollen sehen.“ Er dachte aber, das kann ich ihm gern versprechen, damit hat es keine Not. Wir Teufel kennen die Frauen. — An einem Abende kam der Köhler aus dem Walde, da sagte ihm seine Frau: „Du, Mann, der reiche König hat ausgeschrieben, daß seine Prinzessin todsterbenskrank ist, ja sehr krank; wer ihr hilft, der soll das halbe Königreich von ihm bekommen oder soviel Gold, als wie der Doktor und der König beide schwer sind. Wenn du nur, Alter! ein gutes Hausmittel wüßtest und könntest der Prinzessin helfen, daß wir auch einmal aus unsrer Armut kämen!“ — Hierauf sagte der Köhler zu seiner Frau: „Ich will einmal eine Probe machen, vielleicht bin ich glücklich“ und reisete ab. Als er zum König kam, so fragte dieser: „Alter, getrauest du dir meine Prinzessin gesund zu machen?“ — „O ja, Herr König!“ antwortete der Köhler. „Ich muß erst etliche Spezies aus der Apotheke haben und die muß ich selber holen und dann muß ich ganz allein bei der Prinzessin sein.“ Darauf sprach der König: „Alter! Wie du es verlangst, so soll es geschehen. Machst du meine Prinzessin gesund, so bekommst du mein halbes Königreich oder soviel Gold, als ich und du schwer sind.“ — Der Köhler tat nun, wie ihm der Teufel anbefohlen hatte, und die schöne Prinzessin war auf der Stelle gesund. Der König stellte dem Köhler die Wahl frei: Gold oder Land, — und der Köhler nahm das Gold.
Binnen kurzem wurde nun die andere Prinzessin von dem Teufel besessen. Der König läßt den Köhler wieder kommen und spricht zu ihm: „Alter, du hast meine erste kranke Tochter gesund gemacht, hilf auch dieser!“ — Der Köhler sagte: „Ich will’s versuchen, Herr König!“ Und siehe, er half der zweiten Prinzessin auch wieder, und der König gab dem Köhler wieder ebensoviel Gold.
Der Köhler war nun sehr reich, grämte sich aber dennoch, weil er den Teufel nun nicht wieder austreiben durfte, der sich vorgenommen hatte, die Frauenzimmer recht zu plagen, und gewiß davon noch nicht abließ. Die zwei ersten Male war es ausgemacht, das drittemal mußte er den Teufel in der Prinzessin lassen, sonst wollte ihm der Teufel den Hals brechen; und konnte er den Teufel nicht das drittemal austreiben, so mußte er es wagen, daß ihn der König ums Leben bringen ließ; er sann nach, ob nicht beim drittenmal es ihm gelingen werde, den Teufel anzuführen.