und vor dem Häuschen stand ein alter alter Mann, der rief die Brüder an und fragte: „Heda! Ihr jungen Gieke-in-die-Welt! Wohin denn so lustig und so geschwind?“ — „Ei, wir wollen uns jeder eine hübsche Braut holen, und unserm jüngsten Bruder daheim auch eine!“ antworteten die Brüder.

„O liebe Jungen!“ sprach da der Alte, „ich lebe hier so mutterseelensternallein, bringt mir doch auch eine Braut mit, aber eine junge hübsche muß es sein!“

Die Brüder gingen von dannen und dachten: Hm, was will so ein alter eisgrauer Hozelmann mit einer jungen hübschen Braut anfangen? —

Da nun die Brüder in eine Stadt gekommen waren, so fanden sie dort sieben Schwestern, so jung und so hübsch als sie sie nur wünschen konnten, die nahmen sie, und die jüngste nahmen sie für ihren Bruder mit. Der Weg führte sie wieder durch den Wald, und der Alte stand wieder vor seinem Häuschen, als wartete er auf sie, und sagte: „Ei ihr braven Jungen! Das lob’ ich, daß ihr mir so eine junge hübsche Braut mitgebracht habt!“ — „Nein!“ sagten die Brüder, „die ist nicht für dich, die ist für unsern Bruder zu Hause, dem haben wir sie versprochen!“ —

„So?“ sagte der Alte, „versprochen? Ei daß dich! ich will euch auch versprechen!“ und nahm ein weißes Stäbchen und murmelte ein paar Zauberworte, und rührte die Brüder und die Bräute mit dem Stäbchen an — bis auf die jüngste — da wurden sie alle in graue Steine verwandelt. Die jüngste aber von den Schwestern führte der Mann in das Haus, und das mußte sie nun beschicken und in Ordnung halten, tat das auch gern, aber sie hatte immer angst, der Alte könne bald sterben, und dann werde sie in dem einsamen Häuschen im wilden öden Walde auch so mutterseelensternallein sein, wie der Alte zuvor gewesen war. Das sagte sie ihm und er antwortete: „Hab kein Bangen, fürchte nicht und hoffe nicht, daß ich sterbe. Sieh, ich habe kein Herz in der Brust! stürbe ich aber dennoch, so findest du über der Türe mein weißes Zauberstäbchen, und rührst damit an die grauen Steine, so sind deine Schwestern und ihre Freier befreit und du hast Gesellschaft genug.“

„Wo aber in aller Welt hast du denn dein Herz, wenn du es nicht in der Brust hast?“ fragte die junge Braut. „Mußt du alles wissen?“ fragte der Alte. „Nun, wenn du es denn wissen mußt, in der Bettdecke steckt mein Herz.“

Da nähte und stickte die junge Braut, wenn der Alte fort und seinen Geschäften nachging, in ihrer Einsamkeit gar schöne Blumen auf seine Bettdecke, damit sein Herz eine Freude haben sollte. Der Alte aber lächelte darüber und sagte:

„Du gutes Kind, es war ja nur mein Scherz; mein Herz, das steckt — das steckt“ — „Nun, wo steckt es denn, lieber Vater?“ — „Das steckt in der — Stubentür!“ —

Da hat die junge Frau am andern Tage, als der Alte fort war, die Stubentüre gar schön geschmückt mit bunten Federn und frischen Blumen und hat Kränze daran gehangen. Fragte der Alte, als er heimkam, was das bedeuten solle? Sagte sie: „Das tat ich, deinem Herzen was zuliebe zu tun.“ Da lächelte wieder der Alte, und sagte: „Gutes Kind, ganz wo anders, als in der Stubentüre, ist mein Herz.“ Da wurde die junge Braut sehr betrübt und sprach: „Ach, Vater, so hast du doch ein Herz, und kannst sterben und ich werde dann so allein sein.“ Da wiederholte der Alte alles, was er ihr schon zweimal gesagt, und sie drang aufs neue in ihn, ihr zu sagen, wo doch eigentlich sein Herz sei? Da sprach der Alte: „Weit weit von hier liegt in tiefer Einsamkeit eine große uralte Kirche, die ist fest verwahrt mit eisernen Türen, um sie ist ein tiefer Wallgraben gezogen, über den führt keine Brücke, und in der Kirche da fliegt ein Vogel wohl ab und auf, der ißt nicht und trinkt nicht und stirbt nicht, und niemand vermag ihn zu fangen und so lange der Vogel lebt, so lange lebe auch ich, denn in dem Vogel ist mein Herz.“