Doch es mag drum sein!“ — Wie nun Oda in ihre Schlafkammer eingehen wollte, und die Kammertür öffnete, da rief die Schlange wieder: „Ach, Oda, liebe Oda! Soll ich nicht in deine Kammer?“ — „Wie?“ rief Oda, „hat dich mein Vater nicht bis an die Haustür mitgenommen? Hab’ ich dich nicht auf die Diele gelassen und vor meine Kammertür? Und nun willst du auch noch mit in die Kammer? — Aber, wenn du nun zufrieden sein willst, so komm nur herein, lieg aber stille, das sag’ ich dir!“ Damit so ließ Oda die Schlange ein, und fing an, sich auszukleiden. Wie sie nun ihr Bettchen besteigen wollte, so rief die Schlange doch wieder: „Ach Oda, liebste Oda! Soll ich denn nicht mit in dein Bette?“ — „Nun wird es aber zu toll!“ rief Oda zornig aus. „Mein Vater hat dich bis an die Haustür mitgenommen; ich habe dich auf die Diele gelassen, nachher vor die Kammertür, nachher herein in die Kammer — und nun willst du gar noch zu mir ins Bett? Aber du bist wohl erfroren? Nun so komm mit herein und wärme dich, du armer Wurm!“ Und da streckte die gute Oda selbst ihre weiche warme Hand aus und hob die kalte Schlange zu sich herauf in ihr Bette. Da mit einem Male verwandelte sich die Schlange, die eine lange Zeit verzaubert gewesen war, und die nur erlöst werden konnte, wenn alles das geschah, was mit ihr sich zugetragen hatte — in einen jungen und schönen Prinzen, der alsobald die gute Oda zu seiner Frau nahm.

Die drei Gaben.

Es war einmal ein armer Leinweber, zu dem kamen drei reiche Studenten, und da sie sahen, daß der Mann sehr arm war, so schenkten sie ihm in seine Wirtschaft hundert Taler. Der Leinweber freute sich sehr über diese Gabe, gedachte sie gut anzuwenden, wollte aber noch eine Zeitlang seine Augen an den blanken Talern weiden, sagte daher seiner Frau, die nicht zu Hause gewesen war, nichts von seinem Glück und versteckte das Geld dahin, wo niemand Geld sucht, nämlich in die Lumpen.

Als er einmal auswärts war, kam ein Lumpensammler, und verkaufte die Frau ihm den ganzen Vorrat für einige Kreuzer. Da war groß Herzeleid, wie der Leinweber heimkam und seine Frau ihm erfreut das für die Lumpen gelöste wenige Geld zeigte.

Über ein Jahr so kamen die drei Studenten wieder, hofften den Leinweber nun in guten Umständen zu treffen, fanden ihn aber noch ärmer wie zuvor, da er ihnen sein Mißgeschick klagte. Mit der Ermahnung, vorsichtiger zu sein, schenkten ihm die Studenten abermals hundert Taler; nun wollte er’s recht klug machen, sagte seiner Frau wieder nichts und steckte das Geld in den Aschentopf. Und da ging’s gerade wieder so wie das vorige Mal; die Frau vertauschte die Asche an einen Aschensammler gegen ein paar Stückchen Seife, als gerade ihr Mann wieder abwesend war, irgendeinem Kunden bestellte Leinwand abzuliefern. Als er wiederkam und den Aschenhandel erfuhr, wurde er so böse, daß er seine Frau mit ungebrannter Asche laugte.

Über ein Jahr kamen die Studenten zum dritten Male, fanden den Leinweber fast als Lumpen und sagten ihm, indem sie ihm ein Stück Blei vor die Füße warfen: „Was nutzt der Kuh Muskate? Dir Tropf Geld zu schenken, wäre dümmer als du selbst bist. Zu dir kommen wir auch nicht wieder.“ Damit gingen sie ganz ärgerlich fort, und der Leinweber hob das Stück Blei vom Boden auf und legte es aufs Fensterbrett. Bald darauf kam sein Nachbar herein, der war ein Fischer, bot guten Tag und sprach: „Lieber Nachbar, habt Ihr nicht etwa ein Stückchen Blei oder sonst was Schweres, das ich an mein Netz brauchen könnte? Ich habe nichts mehr von dergleichen.“ Da gab ihm der Leinweber das Stückchen Blei, und der Nachbar bedankte sich gar schön und sagte: „Den ersten großen Fisch, den ich fange, den sollt Ihr zum Lohne haben!“ — „Schon gut, es ist nicht darum,“ sprach der zufriedene Leinweber.

Bald darauf brachte der Nachbar wirklich einen hübschen Fisch von ein Pfunder vier bis fünfe und der Leinweber mußte ihn annehmen. Dieser schlachtete alsbald den Fisch, da hatte derselbe einen großen Stein im Magen. Den Stein legte der Leinweber auch auf das Fensterbrett. Abends, als es dunkel wurde, fing der Stein an zu glänzen, und je dunkler es wurde, je heller leuchtete der Stein, wie ein Licht. „Das ist eine wohlfeile Lampe,“ sagte der Leinweber zu seiner Frau. „Willst du sie nicht vermöbelieren, wie du die zweihundert Taler vermöbeliert hast?“ Und legte den Stein so, daß er die ganze Stube erhellte.

Am folgenden Abend ritt ein Herr am Hause vorbei, erblickte den Glanzstein, stieg ab und trat in die Stube, besah den Stein und bot zehn Taler dafür. Der Weber sagte: „Dieser Stein ist mir nicht feil!“ — „Auch nicht für zwanzig Taler?“ fragte der Herr. „Auch nicht,“ antwortete der Leinweber. Jener aber fuhr fort zu bieten und zu bieten, bis er tausend Taler bot, denn der Stein war ein kostbarer Diamant und noch viel mehr wert. Jetzt schlug der Weber ein und war der reichste Mann im Dorfe. Nun hatte die Frau das letzte Wort und sagte: „Siehst du, Mann! Wenn ich das Geld nicht zweimal mit fortgegeben hätte! Das hast du doch nur mir zu danken!“ —