Es war nun wieder ein Jahr verflossen, und auch der Dumme hatte seine Lehrzeit überstanden und zog als ein wackrer Drechsler in die Fremde. Recht mit Fleiß nahm er denselben Lauf wie seine Brüder und wünschte sehr, bei jenem kleinen Männlein auch in Arbeit zu kommen, da dasselbe, wie die Brüder erzählt hatten, in allen Fächern bewandert war, in Handwerken wie in Gelehrtheit und Weisheit und so schöne Sachen zu verschenken hatte. Richtig gelangte auch der Drechslergeselle in den gewissen Wald, fand die einsame Wohnung des Männleins, und auch ihn nahm es als einen fleißigen Burschen gerne in Arbeit. Nach etlichen Monaten hieß es jedoch wieder: „Lieber Gesell, ich kann dich nun nicht länger behalten, du hast Feierabend.“ Zum Abschied sprach das Männlein: „Ich schenkte dir gerne auch, wie deinen Brüdern, ein schönes Andenken, aber was würde dir das helfen, da sie dich den Dummen nennen? Dein langer Bruder und dein dicker Bruder sind durch ihre Dummheit um die Gaben gekommen, was würde es erst bei dir werden? Doch nimm dieses schlichte Säcklein; es kann dir sehr nützlich werden. Sooft du zu ihm sagen wirst: Knüppel aus dem Sack! — sooft wird ein darinsteckender wohlgedrehter Prügel herausfahren zu deinem Schutz, deiner Wehr und Hilfe, und dieser wird so lange ausprügeln, bis du gebieten wirst: Knüppel in den Sack!“

Der Drechsler bedankte sich schön und zog mit seinem Säcklein heimwärts; er bedurfte jedoch auf seiner Reise der Schutzwehr erst lange nicht, denn jedermann ließ ihn, der leicht und lustig seine Straße zog, ungehindert fürbaß wandern. Nur manchmal einem gestrengen Herrn Bettelvogt gab er einiges aus dem Säcklein zu kosten oder den Dorfhunden, die aus allen Höfen herausfahren und den Wanderer an- und nachbellen. So kam er denn endlich bis an jene Herberge, wo der arge Wirt seine Brüder um das Ihrige betrogen hatte und jetzt herrlich und in Freuden lebte, aber dennoch immer ein Gelüst hatte, sich vom Gut der Reisenden etwas anzueignen. Beim Schlafengehen gab der Drechsler dem Wirt den Sack in Verwahrung und warnte ihn, er möge ja nicht zu diesem Säcklein sagen: „Knüppel aus dem Sack!“ denn damit habe es eine besondere Bewandtnis und könne einer, wenn er das sage, wohl etwas davontragen. Jedoch dem Wirt gefiel sein Tischlein und Eselein zu wohl, als daß er nicht noch ein drittes wundertuendes Gegenständlein hätte so heimlich wegfangen mögen;

er konnte kaum die Zeit erwarten, bis der Gast sich zur Ruhe gelegt hatte, um zu sprechen: „Knüppel aus dem Sack!“ Und im Nu fuhr der Knüppel heraus und wirbelte wie ein Trommelschläger auf des Wirtes Rücken, prügelte fort und fort, und prügelte den Wirt dermaßen braun und blau, daß dieser ein jämmerliches Geschrei erhub und heulend den Drechslergesellen munter rief. Dieser sagte: „Wirt, das geschieht dir recht! Ich warnte dich ja. Du hast meinen Brüdern das Tischlein decke dich und das Eselein strecke dich gestohlen.“ Der Wirt kreischte: „Ach, helft mir nur um Gottes willen! Ich werde umgebracht!“ (Denn der Knüppel arbeitete noch immer rastlos auf des Wirts Rücken.) „Ich will alles wieder herausgeben, das Tischlein und das Eselein! Ach, ich falle um und bin tot!“

Jetzt gebot der Geselle: „Knüppel in den Sack!“ und da kroch das Prügelein im Nu wieder in den Sack. Und der Wirt war nur froh, daß er sein Leben davongebracht und gab willig das Tischlein und das Eselein wieder heraus.

Da packte der Drechsler seinen Kram zusammen, lud sein Bündel und sich selbst auf den Esel und trabte dem Heimatstädtlein zu.

Da war keine geringe Freude bei den Brüdern, als sie die überaus wertvollen Geschenke und Andenken wiedergewonnen sahen, die jetzt gerade noch so herrlich ihre Wunder taten wie ehemals, — wiedergewonnen durch den, den sie immer den Dummen gescholten hatten und der doch klüger war wie sie. Und die Brüder blieben zusammen bei den Eltern und brauchten nicht mehr zu arbeiten, um vom Verdienst das tägliche Brot zu schaffen, denn sie hatten von nun an von allem, was das menschliche Leben bedarf, die Hülle und die Fülle.