Das hörte der Prinz von weitem, und fiel ihm auf und hielt und fragte: „Ei, wer singt doch da so schön?“ — „Es wird wohl mein Bedienter, der Unglück sein,“ antwortete der König, „den ich zum Diener angenommen habe.“ Da hörten sie noch einmal den Gesang:

„Siebenschön war ich genannt,

Unglück ist mir jetzt bekannt.“

Da fragte der Prinz noch einmal, ob das wirklich niemand anders sei, als des Königs Diener? und der König sagte, er wisse es nicht anders.

Als nun der Zug ganz nahe an das Schloß der neuen Braut kam, erklang noch einmal die schöne klare Stimme:

„Siebenschön war ich genannt,

Unglück ist mir jetzt bekannt.“

Jetzt wartete der Prinz keinen Augenblick länger, er spornte sein Pferd und ritt wie ein Offizier längs des ganzen Zugs in gestrecktem Galopp hin, bis er an Unglück kam, und Siebenschön erkannte. Da nickte er ihr freundlich zu und jagte wieder an die Spitze des Zuges, und zog in das Schloß ein. Da nun alle Gäste und alles Gefolge im großen Saal versammelt war und die Verlobung vor sich gehen sollte,

so sagte der Prinz zu seinem künftigen Schwiegervater: „Herr König, ehe ich mit Eurer Prinzessin Tochter mich feierlich verlobe, wollet mir erst ein kleines Rätsel lösen. Ich besitze einen schönen Schrank, dazu verlor ich vor einiger Zeit den Schlüssel, kaufte mir also einen neuen; bald darauf fand ich den alten wieder, jetzt saget mir Herr König, wessen Schlüssel ich mich bedienen soll?“ — „Ei, natürlich des alten wieder!“ antwortete der König, „das Alte soll man in Ehren halten, und es über Neuem nicht hintansetzen.“ — „Ganz wohl, Herr König,“ antwortete nun der Prinz, „so zürnt mir nicht, wenn ich Eure Prinzessin Tochter nicht freien kann, sie ist der neue Schlüssel, und dort steht der alte.“ Und nahm Siebenschön an der Hand und führte sie zu seinem Vater, indem er sagte: „Siehe Vater, das ist meine Braut.“ Aber der alte König rief ganz erstaunt und erschrocken aus: „Ach lieber Sohn, das ist ja Unglück, mein Diener!“ — Und viele Hofleute schrien: „Herr Gott, das ist ja ein Unglück!“ — „Nein!“ sagte der Königssohn. „Hier ist gar kein Unglück, sondern hier ist Siebenschön, meine liebe Braut.“ Und nahm Urlaub von der Versammlung und führte Siebenschön als Herrin und Frau auf sein schönstes Schloß.