3. Wald

Ratibor: Schwebe Pendel über das Gestein
bleischwer über ird’nen Wasserkrügen
und im Stromkreis durch das Blut der Hand!
Zwang zu treiben, Zwang zu Irrfahrt — Weg,
Zwang durch Moos, durch Rinde, Blatt und Strauch.
Heiligkeit der Tiere! Kraft und Beben,
Seele ausgelöst im Rückenrund
aufgeleuchtet Leid aus stumpfen Augen,
Taukristall im Erdenlehm — o Keim!
Ahnung zieht durch Schlummer, reift im Traum
und vermißt sich an des Tages Schwelle!
Blumen tragen ihren Durst hinauf,
wo aus Wolken Wasser niedersteigen,
und die Sehnsucht schmilzt im nackten Raum!
Ich bin Mensch! Wie lange noch! Auch du?
Bist schon in der Tiefe? Sauge ein,
Sauge Seufzer aus dem Saft der Lippen
bis ich schmachtend spüre fremden Zug
und — entleert Gefäß — dich fern begreife!

(Brinhildis kommt)

Brinhildis: Herr!

Ratibor: Nicht du!

Brinhildis: Ich bin ein Bote!

Ratibor: Nein!
Bist du selbst im Nebel deiner Glieder,
schlank wie Birkenstämme, winkst im Forst,
weisest Tränen — Schnee durch kahl Geäst!

Brinhildis: Herr!

Ratibor: Sei stumm, dann stehst du auf der Scheide!
Beuge dich zu mir! Mein Arm heißt Mann!

(Brinhildis kniet neben ihm)