Übrigens will Verfasser von der Sozialdemokratie nicht Abschied nehmen, ohne, ihr das Verdienst zuzugestehen, dass sie einerseits durch ihre Agitation eine grosse und wichtige Menschenklasse auf das Missliche und Unbefriedigende ihrer Lebenslage aufmerksam gemacht, und dass sie andrerseits vielfache Anregung zur Besprechung und Inangriffnahme der sozialen Frage überhaupt gegeben hat. Dieses Verdienst wird auch ohne Lösung der sozialen Frage im sozialdemokratischen Sinne für Herbeiführung einer besseren gesellschaftlichen Zukunft seine Früchte tragen.
Sollte sich indessen Verfasser in einer Beurteilung der sozialdemokratischen Lehren geirrt haben so erklärt er sich gerne bereit, Belehrung anzunehmen. Ihm gilt es nicht um Beifall, sondern nur um Wahrheit und Besserung. Denn er hält es mit dem Narren in Shakespeares »Was lhr wollt«, der da sagt: »Je mehr Freunde, desto schlimmer, je mehr Feinde, desto besser. Denn durch meine Freunde werde ich hintergangen, während ich durch meine Feinde an Selbsterkenntnis zunehme.« Im Hinblick auf diesen Gedanken glaubt derselbe die vorstehende Auseinandersetzung schliessen zu dürfen mit einer Zitation der schönen Worte unsres grossen Liederdichters Rückert:
»Die durch Irrtum zur Wahrheit reisen,
Das sind die Weisen.
Die beim Irrtum beharren,
Das sind die Narren.«
Anmerkungen
Die Freiheit des menschlichen Willens, Leipzig 1871.