»Schauen wir's an.« Der kleine Bauer nahm die Sache genau. Jedes Stück Hausrat untersuchte er bis auf die Leimfugen; jede Ziege hob er auf seinen Schoß, jeder Kuh knutschte er das Maul, den Hals, die Wampe, das Euter, und jedem Kälbl guckte er aufmerksam unter den Schwanz. Der stumme Christl stand mit aschfarbenem Gesicht daneben. »Gut! Vierhundert kriegst du bei der Unterschrift, dreihundert bei der Übergab. Wann soll ich zum Protokollieren kommen?«

»Gleich.«

Der kleine Bauer lachte. »Pressiert's dir denn gar so?«

»Wohl.« Christl Haynacher trug sein Bübl zur Nachbarin hinüber und wanderte mit dem Käufer zum Landgericht. Das wunderliche Kaufdokument mit dem Paragraph über das Gerstenfeld: nit ackern und nit misten – verursachte den vier überflüssigen Buchstaben eine muntere Viertelstunde. Als Christl unterschrieben hatte, fragte ihn der Landrichter lachend: »Wann will er denn exulieren?«

»Morgen.« Der Haynacher hob die brennenden Augen. »Am liebsten tät ich's noch heut.«

»Heute? Nein. Heut nachmittag wird er schön daheim bleiben. Da wird noch etwas zu erledigen sein.«

Christl lächelte sonderbar. »Was wär denn das?«

»Seine Neugier wird sich gedulden können.« Eine entlassende Handbewegung. Als die zwei Bauern mit schweren Schuhen davongepoltert waren, schwang sich der muntere Liebling der Gerechtigkeit zu einem philosophischen Erguß über die in Bauernköpfen generaliter grassierende Verbohrtheit auf. Seine heitere Laune sollte sich noch weiterhin erhöhen. Pfarrer Ludwig betrat schmunzelnd die Amtsstube. »Oh? Reverende? Was führt Euch zu mir?«

Das Schmunzeln des Pfarrers verstärkte sich. »Um ehrlich zu sein: ein Werk der Barmherzigkeit. Oder, um gleich in medias res zu hupfen: ich will –« Nach einem Augenwink auf den Schreiber sprach er lateinisch weiter: »Ich will meine schwerbedrückte Seele entlasten und ehrlich zu Protokoll geben, daß ich es gewesen bin, der das Haynacher'sche Zwillingspärl verschwinden ließ.«

Der Landrichter schickte hurtig den Schreiber aus der Stube und platzte los. Was Lustigeres war ihm zeit seines Lebens noch nicht begegnet. Zwischen Lachen und Lachen sagte er: »Unglaublich! Dieser Lewitter! So viel Schlauheit hätt' ich ihm gar nicht zugetraut, obwohl man in dieser Materie von einem Juden viel attendieren darf.« Es dauerte ein Weilchen, bis er sich von seiner unjustiziarischen Fröhlichkeit so weit erholt hatte, um die Gänsefeder in die Streusandbüchse tauchen zu können. Die Feder schrieb nicht. »Seht doch,« sagte der muntere Willibald, »wie klug meine Feder ist! Sie weigert sich, bei dieser barmherzigen Torheit mitzuagieren.« Er griff nach einem anderen Kiel. Diesmal fand er beim Eintauchen richtig das Tintenfaß. »Also?« Dabei lachte er schon wieder. »Was soll ich protokollieren?«